Ams Osram hat 570 Millionen Euro aus dem Verkauf des Sensorgeschäfts an Infineon in der Kasse. Trotzdem fällt die Aktie am Mittwoch um 3,23 Prozent auf 18,00 Euro. Der Grund: Management und Ratingagenturen sind sich uneinig, wie entschuldet der Konzern wirklich ist.
Kamper will schnell entschulden, Fitch bleibt skeptisch
CEO Aldo Kamper hat mit dem Infineon-Deal einen wichtigen Baustein seiner „Re-establish the Base“-Strategie umgesetzt. Der komplette Erlös soll die Nettoverschuldung senken. Zusammen mit einer Anleihe über eine Milliarde Euro, die der Konzern im Mai platziert hat, peilt Kamper einen Verschuldungsgrad vom 2,5-Fachen des EBITDA an.
Fitch sieht das anders. Die Ratingagentur rechnet für das laufende Jahr mit einer EBITDA-Verschuldung von 6,3 – deutlich über dem Kamper-Ziel. Diese Lücke zwischen Unternehmensplan und externer Einschätzung drückt seit Tagen auf den Kurs.
Sektor unter Druck, Aktie bleibt volatil
Der gesamte Halbleitersektor korrigiert derzeit. Kapital fließt aus europäischen Technologiewerten ab, viele Investoren setzen stattdessen auf US-Börsengänge. Hinzu kommt wachsende Skepsis, ob sich KI-Infrastrukturinvestitionen kurzfristig auszahlen.
Die Folge bei Ams Osram: Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 95,75 Prozent. Das ist ein extrem hoher Wert und zeigt, wie nervös der Markt das Papier aktuell handelt.
Trotz des jüngsten Rückgangs bleibt die Jahresbilanz beeindruckend. Seit Jahresbeginn steht die Aktie mit 113,78 Prozent im Plus. Die Neuausrichtung auf das optische Kerngeschäft und Fortschritte in der KI-Photonik haben den Kurs 2026 kräftig angetrieben.
Halbjahreszahlen als nächster Test
Am 4. August 2026 legt Ams Osram die Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr vor. Dann zeigt sich, wie stark der Infineon-Erlös die Bilanz tatsächlich entlastet. Auch die operative Marge in den neuen Wachstumsfeldern MicroLED-Übertragungstechnik und Robotik-Sensorik steht auf dem Prüfstand.
Bis dahin dürfte die Aktie zwischen den beiden Lagern hin- und herpendeln. Kampers Entschuldungsplan gegen Fitchs vorsichtigere Prognose – der Bericht Anfang August liefert die ersten belastbaren Zahlen dazu.
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