Der Sensor- und Lichtspezialist Ams Osram hat im zweiten Quartal 2026 seine eigenen Prognosen am oberen Ende der Zielspanne erfüllt. Während das Unternehmen im Kerngeschäft wächst und wichtige technologische Meilensteine bei MicroLED-Lösungen erreichte, belasteten Einmaleffekte und Investitionen den freien Cashflow.

Das Management treibt die Neuausrichtung durch den Verkauf von Randbereichen und ein umfassendes Sparprogramm weiter voran, um die Profitabilität langfristig zu sichern.

Solide Quartalszahlen trotz Cashflow-Druck

Im abgelaufenen zweiten Quartal erzielte Ams Osram einen Umsatz von 805 Millionen Euro, was einem Zuwachs von 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Das bereinigte operative Ergebnis (EBITDA) belief sich auf 136 Millionen Euro. Mit einer bereinigten EBITDA-Marge von 16,9 Prozent lag das Unternehmen zwar unter dem Vorjahreswert von 18,8 Prozent, blieb jedoch innerhalb der gesteckten Erwartungen.

Ein kritischer Punkt in der Bilanz war der freie Cashflow, der mit minus 119 Millionen Euro deutlich schwächer ausfiel als im Vorjahresquartal. Medienberichten zufolge sorgte dieser Wert bei Marktbeobachtern für Enttäuschung, nachdem im ersten Quartal 2026 noch ein positiver Mittelzufluss erzielt worden war.

Für das laufende dritte Quartal peilt das Unternehmen nun einen Umsatz zwischen 770 und 870 Millionen Euro bei einer bereinigten EBITDA-Marge von 14,5 bis 17,5 Prozent an.

Strategische Neuausrichtung und Portfolio-Bereinigung

Ams Osram befindet sich in einer tiefgreifenden Transformation, um sich auf optische Lösungen zu konzentrieren. Ein wesentlicher Schritt war der am 1. Juli abgeschlossene Verkauf des nicht-optischen Sensorportfolios an Infineon, der dem Unternehmen eine Barzahlung von 570 Millionen Euro einbrachte.

Insgesamt sollen durch Desinvestitionen rund 700 Millionen Euro realisiert werden, wovon mit dem jüngsten Abschluss bereits der Großteil gesichert ist. Der Verkauf der CMOS-Bildsensoreinheit steht hingegen noch aus.

Parallel zur Portfolio-Bereinigung setzt das Unternehmen auf das Sparprogramm „Simplify“. Dieses sieht bis zum Ende des Geschäftsjahres 2028 eine Reduktion der Belegschaft um weltweit 2.000 Stellen vor, wovon die Hälfte auf europäische Standorte entfällt.

Ziel ist es, die jährlichen Kosten um 200 Millionen Euro zu senken. Technologisch meldete das Unternehmen Fortschritte bei MicroLED-Arrays für Augmented-Reality-Brillen, wo wichtige Meilensteine zur Serienreife erreicht wurden.

Analysten sehen Potenzial bei Halbleiter-Bewertung

Die Analysten von Jefferies hoben am 4. August die Fortschritte im Bereich Digital Photonics hervor. Sie sehen darin ein Milliardenpotenzial für Anwendungen in Smart-Brillen und KI-Rechenzentren. Zudem bezeichnete das Haus die Aktie als den derzeit günstigsten Wert im globalen Halbleitersektor. Auch die UBS bewertete das Zahlenwerk am 4. August als solide und stellte für das Gesamtjahr steigende Gewinnschätzungen in Aussicht.

An der Börse spiegelt sich die Zuversicht in der langfristigen Entwicklung deutlich wider. Gestern schloss das Papier bei 20,30 Euro. Seit Jahresbeginn verzeichnete der Titel einen deutlichen Wertzuwachs von 141 Prozent. Damit notiert die Aktie aktuell rund 53 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 13,23 Euro.

Zur weiteren Optimierung der Kapitalstruktur plant das Unternehmen zudem einen Rückkauf von Wandelschuldverschreibungen und Anleihen im Volumen von bis zu 150 Millionen Euro.