Ein Ergebnisrückgang und trotzdem ein Kurssprung von mehr als sechs Prozent vorbörslich — bei Ams Osram passt das auf den ersten Blick nicht zusammen. Der Sensoren- und Halbleiterhersteller hat im zweiten Quartal 2026 operativ weniger verdient als im Vorjahr, gleichzeitig aber die Erwartungen der Analysten übertroffen. Genau diese Diskrepanz zwischen Konsensschätzung und tatsächlichem Ergebnis erklärt die positive Marktreaktion.
Umsatz wächst, Marge schrumpft
Der Umsatz kletterte auf 805 Millionen Euro, nach 775 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Analysten hatten im Schnitt nur mit rund 778 Millionen Euro gerechnet. Getragen wurde das Wachstum vom Halbleiterkerngeschäft, das währungsbereinigt um 13 Prozent zulegte — angeführt vom Bereich Industrial & Medical mit einem Plus von 31 Prozent, während Automotive um 6 Prozent und Consumer um 4 Prozent wuchsen.
Beim bereinigten Ebitda zeigte sich das andere Bild: Es sank von 145 auf 136 Millionen Euro, die Marge rutschte von 18,8 auf 16,9 Prozent. Ams Osram macht dafür Währungseffekte auf der Kostenseite sowie anhaltend hohe Rohstoffpreise verantwortlich, insbesondere bei Edelmetallen. Trotzdem lag die Marge über der Konsenserwartung von 15,5 Prozent — ein Detail, das die Kursreaktion mit erklärt.
Der freie Cashflow blieb mit minus 119 Millionen Euro deutlich negativ. Der Vorstand sieht aber einen Pfad zu positivem freiem Cashflow für das Geschäftsjahr 2027, einschließlich Nettozinsen und ohne Berücksichtigung der laufenden Devestitionen.
Umbau zum reinen Halbleiterkonzern nimmt Formen an
Der Konzernumbau prägt weiterhin die Zahlen. Der Verkauf des Speziallampengeschäfts wurde durch das robuste Chipgeschäft weitgehend kompensiert, während die Veräußerung des Non-optical-Sensorgeschäfts an Infineon zu Beginn des dritten Quartals abgeschlossen wurde und die kommenden Zahlen entsprechend verzerren dürfte.
Für das dritte Quartal stellt das Unternehmen einen Umsatz zwischen 770 und 870 Millionen Euro sowie eine bereinigte Ebitda-Marge von 14,5 bis 17,5 Prozent in Aussicht — der Mittelwert liegt über den bisherigen Analystenschätzungen. Im operativen Geschäft sammelte Ams Osram im zweiten Quartal Design-Wins im Volumen von 1,6 Milliarden Euro ein, für das erste Halbjahr summiert sich das auf etwa 2,5 Milliarden Euro. Im Zukunftsfeld AI Photonics treibt das Unternehmen die Entwicklung von Photodiode-Arrays voran und meldet Fortschritte bei der Massenproduktion von microLED-Arrays für Smart Glasses.
Den Ausblick für das Gesamtjahr 2026 bestätigte das Management im Kern. Wegen der Verkäufe und des schwächeren Dollar rechnet Ams Osram weiterhin mit einem leichten Umsatzrückgang, während Einmalkosten aus dem Übergangsjahr die Marge zusätzlich belasten dürften. Der nächste Meilenstein für Investoren dürfte damit die Entwicklung im vierten Quartal sein, wenn sich zeigt, wie stark die Dekonsolidierung des Sensorgeschäfts die Zahlen tatsächlich prägt.
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