Der Halbleiterkonzern Ams Osram hat am Dienstag vergangener Woche Zahlen vorgelegt, die Licht und Schatten zeigen. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal 2026 auf 805 Millionen Euro, ein Plus von 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 775 Millionen Euro. Damit erreichte das Unternehmen das obere Ende seiner eigenen Prognose. Gleichzeitig schrumpfte die bereinigte EBITDA-Marge auf 16,9 Prozent, ein Rückgang um 210 Basispunkte gegenüber den 18,8 Prozent im Vorjahresquartal.

Deutlich sichtbar wurde der Belastungsdruck beim freien Cashflow: Dieser lag bei minus 119 Millionen Euro, nach minus 14 Millionen Euro im Vorjahresquartal und noch plus 37 Millionen Euro im ersten Quartal 2026. Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte Ams Osram seine Prognose eines leichten Umsatzrückgangs, bedingt durch abgeschlossene Desinvestitionen und einen schwachen Dollar.

Die Marge dürfte zusätzlich durch Veräußerungseffekte, Restkosten und gestiegene Edelmetallpreise belastet bleiben. Für das Geschäftsjahr 2027 sieht das Unternehmen dagegen einen Weg zu positivem freiem Cashflow, unter Einbeziehung der Nettozinszahlungen und ohne Desinvestitionseffekte.

Photonics-Fortschritte als Wachstumshoffnung

Neben den Finanzkennzahlen rückte Ams Osram technologische Fortschritte in den Vordergrund. Das Unternehmen meldete einen Meilenstein bei MicroLED-Array-basierten Lichtquellen für die nächste Generation von AR-Smart-Brillen – die Serienreife rückt damit näher.

Parallel machte der Konzern Fortschritte bei optischen Interconnect-Lösungen: Das sogenannte „Transmit“-Element ist weiterentwickelt, die Vollentwicklung des „Receive“-Kanals eingeleitet. Ziel ist ein kompletter optischer Engine für „Slow-and-Wide“-Interconnects, was laut Unternehmen das Potenzial für die Stückliste (BoM) erhöht.

Zum 1. Juli richtete Ams Osram zudem eigene Digital-Photonics-Geschäftsbereiche ein, um die Innovationspipeline schneller zu skalieren.

Portfolio-Bereinigung nimmt Formen an

Der Konzernumbau setzte sich mit zwei größeren Transaktionen fort. Zum 1. Juli schloss Ams Osram den Verkauf seines nicht-optischen Analog- und Mixed-Signal-Sensorportfolios an Infineon ab, für 570 Millionen Euro in bar.

Der Asset Deal umfasst Produkte, geistiges Eigentum sowie Forschungs- und Testkapazitäten, jedoch keine Fabriken; rund 230 Mitarbeiter wechseln zu Infineon, ergänzt um einen mehrjährigen Liefervertrag.

Bereits im Mai hatte der US-Anbieter indie Semiconductor eine Vereinbarung zum Erwerb der fabless CMOS-Bildsensor-Gruppe von Ams Osram unterzeichnet, für insgesamt 40 Millionen Euro – 35 Millionen Euro Barzahlung bei Closing plus eine Vendor-Debt-Note über 5 Millionen Euro. Das Closing wird für das dritte Quartal 2026 erwartet.

Die Nettoerlöse aus dem Infineon-Deal will Ams Osram nutzen, um binnen 120 Tagen nach Closing Anleihen zurückzukaufen: Ein Tender Offer über 120 bis 150 Millionen Euro soll anteilig Wandelanleihen mit Fälligkeit 2027 sowie Senior Notes mit Fälligkeit 2029 betreffen.

Analysten reagieren positiv auf Quartalszahlen

Nach Veröffentlichung der Zahlen äußerten sich mehrere Häuser. Jefferies hob die Fortschritte im Bereich Digital Photonics hervor und traut Ams Osram mit neuen Lichttechnologien für Smartbrillen und KI-Rechenzentren künftig ein Geschäft mit Milliardenpotenzial zu – das Analysehaus bezeichnete die Aktie zudem als „die günstigste im globalen Halbleitersektor“ mit „erheblichem Kurspotenzial“.

Die Schweizer Kantonalbank Zürich (ZKB) bewertete das Kerngeschäft mit 13 Prozent Wachstum als „sehr positiv“ und sah den Konzern „weiterhin auf gutem Weg“. UBS wertete das Zahlenwerk als „solide“ und rechnet infolge der Resultate und des Ausblicks mit steigenden Gewinnschätzungen für 2026.

An der Börse notiert die Aktie nach diesen Nachrichten bei 20,30 Euro, nach einem Rückgang von 1,0 Prozent am Freitag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 5,2 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 141 Prozent verteuert. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 26,70 Euro, erreicht Ende Mai, fehlen der Aktie aktuell noch 24 Prozent.