Ein Unternehmen, das sich gesundschrumpft – dieses Bild drängt sich auf, wenn man die Nachrichtenlage bei ams-OSRAM der vergangenen Monate betrachtet. Wolfram- und Molybdänproduktion weg, Sensorgeschäft weg, Bildsensoren weg.
Was bleibt, ist die Frage, ob aus einem einst breit aufgestellten Halbleiter- und Lichtkonzern tatsächlich ein schlankeres, profitableres Photonics-Unternehmen entsteht – oder ob der Konzern sich einfach nur verkleinert, ohne an Substanz zu gewinnen.
Die Verkaufswelle ist kein Zufall, sondern Programm. Am 1. Juli wurde der Verkauf des nicht-optischen Sensorgeschäfts an Infineon abgeschlossen, im Mai hatte man sich bereits mit Indie Semiconductor aus Kalifornien auf den Verkauf des CMOS-Bildsensorgeschäfts für rund 40 Millionen Euro geeinigt.
Jede dieser Transaktionen für sich genommen wirkt wie ein Randgeschäft, das abgestoßen wird. In der Summe ergibt sich das Bild eines Managements, das sein Portfolio konsequent auf einen Kern zurechtstutzt: Photonics, also Licht- und Sensortechnologie im engeren Sinne, mit Blick auf Zukunftsfelder wie Automotive und AR-Brillen.
Was von den Zahlen bleibt
Im zweiten Quartal 2026 erwirtschaftete ams-OSRAM einen Umsatz von 805 Millionen Euro und erfüllte damit die eigene Prognose. Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz zwischen 770 und 870 Millionen Euro sowie eine bereinigte EBITDA-Marge von 16,0 Prozent, plus/minus 1,5 Prozentpunkte, in Aussicht.
Die Jahresprognose für 2026 blieb dabei unverändert – auch wenn der Umsatz durch die Devestitionen und Wechselkurseffekte insgesamt etwas niedriger ausfallen dürfte.
Interessant ist die Einordnung des Managements selbst: Es spricht von einem „Übergangsjahr“ mit temporärem Druck auf die bereinigte EBITDA-Marge durch Sondereffekte. Das ist eine ehrliche Ansage – der Umbau kostet zunächst, bevor er sich auszahlen soll.
Genau hier liegt der eigentliche Prüfstein für Anleger. Im Mai hatte ams-OSRAM einen Entwicklungsvertrag mit einem führenden AI-Photonics-Kunden unterzeichnet und einen Pfad zu positivem freiem Cashflow für 2027 skizziert. Das ist eine Wette auf die Zukunft, keine Garantie.
Parallel dazu will das Unternehmen zwischen 120 und 150 Millionen Euro in ein Tender Offer stecken, um anteilig Wandelanleihen mit Fälligkeit 2027 und Senior Notes mit Fälligkeit 2029 zurückzukaufen. Auch das passt ins Bild: Bilanz entschlacken, Zinslast senken, Spielraum für den Umbau schaffen.
Schwabmünchen als Randnotiz mit Symbolkraft
Der am vergangenen Mittwoch bekanntgegebene Verkauf der Wolfram- und Molybdänproduktion in Schwabmünchen an die Elmet Group reiht sich in diese Logik ein, wirkt für sich genommen aber wie eine Randnotiz im großen Umbauprogramm.
Der Aktienkurs reagierte einen Handelstag nach der Ankündigung mit einem Rückgang von 4,1 Prozent – eine Reaktion, die sich auch als Marktverunsicherung über ein weiteres Schrumpfen des Konzerns lesen lässt, obwohl mehrere hundert Arbeitsplätze am Standort erhalten bleiben sollen und Elmet nach eigenen Angaben investieren will. Wer den Konzern nur an einzelnen Verkaufsmeldungen misst, verpasst leicht das größere Muster dahinter.
Auf der Produktseite zeigt sich derweil, wohin die Reise gehen soll: Auf der Automechanika in Frankfurt, die noch bis kommenden Samstag läuft, präsentiert ams-OSRAM Lösungen für den Automotive-Aftermarket.
Bei microLED-Arrays für AR-Smart-Glasses meldete das Unternehmen zudem im zweiten Quartal erreichte Meilensteine. Die neu etablierten Digital Photonics Business Lines, seit dem 1. Juli offiziell aufgestellt, sollen künftig das Rückgrat des fokussierten Konzerns bilden.
Der Kurs hat trotz der jüngsten Rücksetzer über die vergangenen zwölf Monate um 77 Prozent zugelegt und liegt seit Jahresbeginn mit 123 Prozent im Plus – ein Vertrauensvorschuss des Marktes, der die Erwartung an den erfolgreichen Umbau bereits eingepreist hat.
Mit einem Abstand von 30 Prozent zum 52-Wochen-Hoch bei 26,70 Euro zeigt sich zugleich, dass diese Erwartung zuletzt ins Wanken geraten ist. Ob aus dem Rückbau tatsächlich ein schlankerer, profitablerer Konzern entsteht, wird sich nicht an einzelnen Verkaufsmeldungen entscheiden, sondern daran, ob der versprochene positive freie Cashflow 2027 tatsächlich Realität wird.
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