Anthropic-Mitgründer Jack Clark erwartet durch rasch leistungsfähigere künstliche Intelligenz einen beschleunigten Wandel in verschiedenen Wirtschaftssektoren. Wie Reuters heute berichtet, verwies er auf ein internes Modell: Die Wirtschaftsleistung der USA könnte demnach bis 2030 auf 44 Billionen $ steigen. Für Anleger ist das ein Szenario zum wirtschaftlichen Potenzial der Technologie – keine Umsatzprognose für Anthropic.

Internes Modell statt Unternehmensprognose

Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen gesamtwirtschaftlicher Entwicklung und dem Geschäft eines einzelnen Unternehmens. Clarks Aussage beschreibt eine mögliche Veränderung der US-Wirtschaft. Wie stark Anthropic selbst davon profitieren könnte, lässt sich aus dieser Modellrechnung nicht ableiten.

Die Prognose ist zudem ausdrücklich als Möglichkeit formuliert. Sie belegt weder einen bereits eingetretenen Wachstumsschub noch garantiert sie dessen Eintritt. Für die Bewertung von Anthropic liefert sie damit einen langfristigen Erwartungshorizont, aber keinen Ersatz für Geschäftszahlen oder konkrete Finanzierungskonditionen.

Ausbau mit anspruchsvoller Finanzierung

Parallel zu diesem Ausblick erweitert Anthropic seine Infrastruktur. Reuters berichtete gestern über einen unterzeichneten Mietvertrag mit EverWind für Rechenzentrumskapazitäten in Point Tupper in Nova Scotia. Es handelt sich um Anthropics erste Rechenzentrumsvereinbarung in Kanada.

Der Vertrag macht den Ausbau konkret. Anders gelagert ist ein ebenfalls gestern von Reuters aufgegriffener Finanzierungsbericht: Dessen Konditionen sind nicht bestätigt und müssen entsprechend vorsichtig eingeordnet werden.

Dem Bericht zufolge soll Anthropic Blackstone eine Rendite von mehr als 10 % für eine vorgeschlagene Investition von 9 Milliarden $ angeboten haben. Vorgesehen seien Schuldtitel, die durch Anthropics Zahlungen aus fünfjährigen Chip-Leasingverträgen besichert würden.

Reuters konnte den Bericht nicht unmittelbar verifizieren. Die vorgeschlagene Finanzierung darf deshalb nicht als abgeschlossene Kapitalaufnahme gelten. Für Anleger verdeutlicht sie vielmehr, warum neben technologischen Fortschritten auch die Bedingungen der Infrastrukturfinanzierung Aufmerksamkeit verdienen.

Sicherheitsregeln als weitere Bewertungsfrage

Auch die Sicherheitsdebatte begleitet Anthropics Wachstumsambitionen. Nach einem gestern von Reuters aufgegriffenen Bericht legten Unternehmensvertreter US-Gesetzgebern einen Entwurf für Sicherheitsregeln besonders leistungsfähiger KI vor.

Staatliche Eingriffe wären dem Vorschlag zufolge nur bei bestimmten unmittelbar drohenden Risiken zulässig. Genannt werden Schäden von mehr als 1 Milliarde $ oder mehr als 50 Todesfälle beziehungsweise schwere Verletzungen.

Daneben kündigte Anthropic am Donnerstag an, einem Team von METR mitarbeiterähnlichen Zugang zur Bewertung seiner Modelle und Sicherheitspraktiken zu gewähren. Damit stehen neben dem wirtschaftlichen Potenzial auch konkrete Prüfmechanismen im Blick.

Clarks Szenario eröffnet einen weitreichenden wirtschaftlichen Horizont. Für die Anlageentscheidung bleiben jedoch drei Ebenen getrennt zu beurteilen: die mögliche Wirkung von KI auf die Gesamtwirtschaft, Anthropics eigener Ausbau und der Umgang mit Sicherheitsrisiken. Die gesamtwirtschaftliche Modellrechnung allein beantwortet die Bewertungsfrage nicht.