Ein Bundesrichter hat dem Pentagon eine deutliche Absage erteilt. Die Blacklist gegen Anthropic war rechtswidrig, so das Urteil aus San Francisco. Für das KI-Unternehmen ist das mehr als nur ein juristischer Etappensieg.

Richterin spricht von Vergeltung

US-Bezirksrichterin Rita Lin erklärte die „Supply Chain Risk“-Einstufung des Verteidigungsministeriums für nichtig. Ihre Begründung fällt ungewöhnlich scharf aus: Die Maßnahme verletze den ersten Verfassungszusatz und stelle unrechtmäßige Vergeltung dar. Zudem sei Anthropic das im fünften Verfassungszusatz garantierte Verfahren vor einem Eingriff verweigert worden.

In ihrem Urteil schrieb Lin, die bloße Berufung auf nationale Sicherheit sei kein Freibrief, um Kritiker der Regierung zu bestrafen. Das Pentagon muss nun sämtliche gegen Anthropic gerichteten Anweisungen und Direktiven zurückziehen. Verteidigungsminister Pete Hegseths Entscheidung sei zudem willkürlich gewesen und habe gegen die gesetzliche Grundlage verstoßen, so die Richterin weiter.

Hintergrund der Auseinandersetzung sind gescheiterte Verhandlungen im März darüber, wie das Militär die Claude-Modelle von Anthropic nutzen darf. Das Pentagon reagierte damals mit der Blacklist-Einstufung, die Verteidigungsauftragnehmern die Nutzung der Anthropic-Technologie untersagte.

Das Unternehmen klagte daraufhin sowohl in Kalifornien als auch in einem separaten Verfahren in Washington D.C. — letzteres läuft weiterhin, da das Pentagon seine Entscheidung auf zwei getrennte Rechtsgrundlagen stützte.

Anthropic begrüßte das Urteil und betonte, man wolle weiterhin produktiv mit der Regierung zusammenarbeiten, damit die USA von der KI-Technologie profitieren.

Chip-Ambitionen bleiben in der Schwebe

Parallel zum Rechtsstreit sorgt ein anderes Thema für Aufmerksamkeit: Anthropic hatte offenbar Gespräche über eine Übernahme des Chip-Startups MatX geführt, mit einem Volumen von rund 7 Milliarden Dollar. MatX, gegründet von ehemaligen Google-TPU-Ingenieuren, sollte Anthropic beim Aufbau eigener Hardware-Kapazitäten helfen und die Abhängigkeit von externen Chip-Lieferanten verringern.

Die Verhandlungen sind inzwischen offenbar zu Gesprächen über eine Partnerschaft umgeschwenkt, die genauen Gründe für das Abrücken von einer vollständigen Übernahme bleiben unklar. MatX selbst sucht derweil frisches Kapital zu einer Bewertung von etwa 4 Milliarden Dollar.

Für Anthropic verdichten sich damit zwei Entwicklungslinien: Auf der Regulierungsseite hat das Unternehmen einen wichtigen juristischen Sieg errungen, der die Tür zu Verteidigungsaufträgen wieder öffnet. Auf der Hardware-Seite bleibt die Strategie zur eigenen Chip-Fertigung vorerst offen — ob eine Übernahme, eine Partnerschaft oder ein komplett neuer Ansatz folgt, ist derzeit nicht absehbar.