Autonome KI-Agenten wirbeln den Software-Sektor auf. Anthropics Launch von Managed Agents — Systemen, die komplexe Aufgaben ohne menschliches Zutun erledigen — hat diese Woche eine tektonische Verschiebung sichtbar gemacht. Während Infrastrukturanbieter wie Amazon, Broadcom und AMD mit harten Umsatzzahlen glänzen, geraten ServiceNow und Palantir unter Rechtfertigungsdruck. Die Branche spaltet sich in zwei Lager: jene, die KI-Infrastruktur bauen, und jene, die Software darauf verkaufen.
Die Trennlinie verläuft entlang einer einfachen Frage der Budgetverteilung. UBS-Analysten berichten, dass über die Hälfte ihrer jüngsten Unternehmenskontakte explizit von Ausgabenkürzungen bei klassischer Software sprechen. Fortune-500-Konzerne lenken Mittel in KI-Infrastruktur um — auf Kosten traditioneller SaaS-Lizenzen.
Die wichtigsten Entwicklungen im Überblick:
- Anthropics Managed Agents lösen Verkaufswelle bei Software-Aktien aus
- AWS meldet erstmals über 15 Mrd. Dollar annualisierten KI-Umsatz
- Broadcom schließt Fünfjahresvertrag mit Google für Custom-KI-Chips
- AMD durchbricht die Marke von einer Million Tokens pro Sekunde
- UBS stuft ServiceNow ab, Michael Burry attackiert Palantir
ServiceNow: UBS-Downgrade trifft auf ambitionierten Plattformumbau
Die Aktie hat seit Jahresanfang 44,3 % verloren und notiert mehr als 60 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Der jüngste Katalysator: UBS-Analyst Karl Keirstead stufte den Titel von „Buy“ auf „Neutral“ herab und senkte das Kursziel drastisch von 170 auf 100 Dollar — ein Rückgang von über 41 %. Seine Begründung: Der Wettbewerbsvorteil schwindet, wenn Unternehmen ihre Budgets systematisch von klassischer Software hin zu KI-Tools umschichten.
Am selben Tag, an dem die Aktie nach dem Downgrade 9,4 % einbrach, präsentierte ServiceNow einen umfassenden Produktumbau. Eine neue Context Engine soll autonomen Agenten Entscheidungskontext und Governance liefern. Neue Build-Agent-Tools ermöglichen es Kunden, eigenständige Workflows auf der Plattform zu erstellen und auszurollen.
Die Analystenlandschaft zeigt ein gespaltenes Bild. Während UBS die Reißleine zog, halten BTIG (Kursziel 185 Dollar) und Goldman Sachs (188 Dollar) an ihren Kaufempfehlungen fest. Der Umsatz im letzten Quartal lag mit 3,57 Mrd. Dollar über den Erwartungen. Für das kommende Quartal werden 3,75 Mrd. Dollar erwartet — die entscheidende Frage ist, ob sich die UBS-These der Budgetumschichtung bereits in den Zahlen niederschlägt.
Palantir: Zwischen Trump-Lob und Burry-Attacke
Wenige Aktien polarisieren derzeit so stark. Innerhalb einer Woche verlor der Kurs rund 15 %, seit Jahresbeginn steht ein Minus von knapp 24 %. Bei 108,84 Euro am Freitag notiert Palantir fast 40 % unter dem 52-Wochen-Hoch.
Ausgelöst wurde die jüngste Abwärtsspirale durch einen inzwischen gelöschten Social-Media-Beitrag von Hedgefonds-Legende Michael Burry. Darin behauptete er, Anthropic „fresse Palantir das Mittagessen weg“. Er verwies auf Anthropics sprunghaft gestiegenen Jahresumsatz von angeblich 30 Mrd. Dollar und argumentierte, Unternehmen bevorzugten günstigere, intuitivere KI-Werkzeuge gegenüber Palantirs komplexer, beratungsintensiver Plattform. Die Aktie fiel am Morgen um 7,6 %.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei ServiceNow?
Dann mischte sich US-Präsident Trump ein. Auf Truth Social lobte er Palantirs Fähigkeiten — insbesondere das KI-gestützte Maven Smart System, das das US-Militär zur Zielidentifikation bei Operationen gegen den Iran nutzt.
Fundamental steht Palantir auf zwei Beinen: einem robusten Regierungsgeschäft und einem explodierenden kommerziellen Segment. Für 2026 hat das Management einen US-Handelsumsatz von über 3,14 Mrd. Dollar in Aussicht gestellt — ein Plus von mindestens 115 %. Wedbush-Analyst Dan Ives bekräftigte sein Kursziel von 230 Dollar. Bei einer Bewertung von rund 108 mal dem erwarteten Jahresgewinn bleibt der Spielraum für Enttäuschungen allerdings hauchdünn.
Amazon: 15 Milliarden Dollar KI-Umsatz erstmals beziffert
Während Software-Titel wanken, liefert Amazon die Gegenerzählung. CEO Andy Jassy legte in seinem jährlichen Aktionärsbrief erstmals konkrete Zahlen zum KI-Geschäft offen: AWS generiert annualisiert mehr als 15 Mrd. Dollar Umsatz allein mit KI-Diensten. Das entspricht etwa 10 % des gesamten AWS-Umsatzes von 142 Mrd. Dollar im Jahresrun-rate.
Die Aktie sprang am 9. April um 5,6 % nach oben. Am Folgetag drückte der Kursanstieg Amazons Marktkapitalisierung über die Marke von 2,5 Billionen Dollar. Bei 202,85 Euro schloss der Titel am Freitag — ein Wochenplus von fast 12 %.
Jassy betonte, die geplanten Investitionen von rund 200 Mrd. Dollar für 2026 seien keine Spekulation. Für einen erheblichen Teil der AWS-Kapazität, die 2027 und 2028 monetarisiert werden soll, lägen bereits Kundenvereinbarungen vor. Zusätzlich kündigte Amazon weitere 12 Mrd. Dollar für Rechenzentren in Mississippi an — die Gesamtinvestition dort steigt auf 25 Mrd. Dollar.
AWS wächst mit 24 % im Jahresvergleich so schnell wie seit über drei Jahren nicht mehr. Amazons hauseigene Chips — Graviton, Trainium und Nitro — erreichen zusammen einen annualisierten Umsatz von über 20 Mrd. Dollar. Rund 85 % der Analysten halten an Kaufempfehlungen fest, das Konsens-Kursziel liegt bei 265 Dollar.
Broadcom: Fünfjahresvertrag mit Google sichert Sichtbarkeit bis 2031
Broadcom gewann diese Woche gleich auf mehreren Ebenen. Der Chipkonzern schloss einen massiven Fünfjahresvertrag mit Google über Design und Lieferung maßgeschneiderter KI-Chips — sogenannter Tensor Processing Units — inklusive Netzwerkkomponenten für den Einsatz in Googles Rechenzentren bis 2031. Die Aktie legte am Freitag 4,5 % zu und notierte bei 317 Euro.
Parallel vertiefte Broadcom die Zusammenarbeit mit Anthropic. Ab 2027 soll Anthropic auf rund 3,5 Gigawatt TPU-basierte Rechenkapazität über Broadcom zugreifen. Zwei der ambitioniertesten KI-Unternehmen der Welt binden sich damit langfristig an den Chipdesigner.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei ServiceNow?
Rückenwind kam auch von TSMC: Der weltgrößte Halbleiterfertiger meldete 35 % Umsatzwachstum auf 35,6 Mrd. Dollar im ersten Quartal. Wenn TSMC starke Nachfrage sieht, profitieren Chipdesigner wie Broadcom unmittelbar.
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Broadcom 63,89 Mrd. Dollar Umsatz — ein Plus von knapp 24 %. Der Gewinn explodierte um 292 % auf 23,13 Mrd. Dollar. Für das zweite Quartal rechnet das Management mit einem Umsatzsprung von fast 47 % auf 22 Mrd. Dollar. 29 Analysten vergeben im Schnitt ein „Strong Buy“ mit einem Kursziel von 438 Dollar. Einzige Gegenstimme: Seaport stufte die Aktie auf „Hold“ — die Kursgewinne seien bereits eingepreist.
AMD: Eine Million Tokens pro Sekunde und der Meta-Deal
AMD hat diese Woche einen technischen Meilenstein gesetzt. Bei den MLPerf-Inference-6.0-Tests überschritt der Instinct MI355X als erster AMD-Beschleuniger die Schwelle von einer Million Tokens pro Sekunde — gemessen an einem Multi-Node-Cluster mit Llama 2 (70 Milliarden Parameter).
Die Benchmark-Ergebnisse im Detail: Beim Llama-2-70B-Modell erreichte AMD im Offline-Durchsatz Gleichstand mit Nvidias B200, im Server-Modus nahezu Parität und übertraf den Konkurrenten im interaktiven Modus. Gegen Nvidias neueren B300 lieferte AMD 92 % im Offline-Modus, 93 % im Server-Modus und 104 % im interaktiven Betrieb.
Die Aktie legte am Freitag 5,3 % auf 209,30 Euro zu. Auf Monatssicht steht ein Plus von über 18 %. Fundamental untermauert der Rekordumsatz von 5,4 Mrd. Dollar im Rechenzentrumsgeschäft (Q4 2025) die Entwicklung vom KI-Versprechen zur realen Ertragskraft. Insgesamt lag der Quartalsumsatz bei 10,27 Mrd. Dollar — über den Schätzungen.
Der im Februar angekündigte Meta-Deal gibt AMD zusätzliche Schlagkraft: Meta verpflichtete sich zum Kauf von bis zu 6 Gigawatt an Instinct-GPUs über mehrere Chipgenerationen. Unabhängige Analysten schätzen das Vertragsvolumen auf rund 60 Mrd. Dollar über fünf Jahre — der größte Hardware-Beschaffungsvertrag unter den Magnificent Seven. Das Konsens-Kursziel der 33 erfassten Analysten liegt bei 261 Dollar, Wells Fargo setzt mit 345 Dollar die Obergrenze.
Infrastruktur triumphiert — Software muss sich neu erfinden
Die Woche hat eine Strukturverschiebung offengelegt, die sich seit Monaten anbahnt. 2024 und 2025 kauften Unternehmen jeden verfügbaren GPU-Chip, koste es, was es wolle. 2026 fragen CFOs nach dem Return on Investment. Diese Rationalisierung belohnt Infrastrukturanbieter mit messbaren Umsätzen und bestraft Software-Modelle, deren sitzbasierte Preisgestaltung gegen günstigere autonome Alternativen konkurrieren muss.
Amazon, Broadcom und AMD sitzen auf der richtigen Seite dieser Trennlinie — jeder mit konkreten Umsatzmeilensteinen, die direkt an KI-Rechennachfrage gekoppelt sind. ServiceNow und Palantir stehen vor der Aufgabe, ihre Plattformen schnell genug umzubauen, bevor die Budgetumschichtung ihre Wachstumsraten einholt.
Die zentrale Frage für den Sektor lautet nicht mehr, ob die KI-Nachfrage real ist. Amazons 15-Milliarden-Dollar-Kennzahl und AMDs MLPerf-Ergebnisse haben das beantwortet. Offen bleibt, wer diese Nachfrage langfristig monetarisiert: die Infrastrukturschicht, die KI betreibt — oder die Softwareschicht, die sie nutzt.
ServiceNow-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue ServiceNow-Analyse vom 11. April liefert die Antwort:
Die neusten ServiceNow-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für ServiceNow-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 11. April erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
ServiceNow: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

