Die Rechnung für den USI-Deal wird bei Aon derzeit gleich mehrfach neu aufgemacht. Piper Sandler senkte das Kursziel auf 349 Dollar von zuvor 391 Dollar und beließ die Einstufung bei „Neutral“. Mizuho zog nach und kappte sein Ziel auf 398 von 437 Dollar, hält aber an der positiven Einstufung „Outperform“ fest. Auch Cantor Fitzgerald reduzierte seine Zielmarke, auf 433 Dollar, bei ebenfalls unveränderter optimistischer Haltung.

Die Kursziele der Analysten reichen damit von 349 bis 433 Dollar – ein spürbarer Spread, der zeigt, wie unterschiedlich die milliardenschwere Übernahme von USI Insurance Services derzeit bewertet wird. Die Aktie selbst notiert um die 320 Dollar und damit nahe ihrem 52-Wochen-Tief, nach einem Wochenverlust von rund 9,4 Prozent.

Warum die Sorgen wachsen

Aon hatte die Übernahme von USI, dem zehntgrößten US-Versicherungsmakler nach Umsatz, für rund 17 Milliarden Dollar in bar angekündigt. Finanziert wird der Deal über eine Kombination aus langfristigen Schulden und Cash-Reserven, der Abschluss ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen. Piper Sandler verweist auf Ausführungsrisiken und den Wegfall von Aktienrückkäufen als Belastung für die relative Attraktivität der Aktie gegenüber Wettbewerbern.

Moody’s hat die bestehenden Ratings von Aon zwar bestätigt, den Ausblick aber von positiv auf stabil gesenkt. Grund sind die steigende Verschuldung und Integrationsrisiken.

Die Ratingagentur rechnet damit, dass die Verschuldungsquote im Verhältnis zum EBITDA durch den Deal von aktuell 2,8 auf über 4,5 steigt. Erst innerhalb von zwölf bis achtzehn Monaten nach Abschluss soll sie wieder auf rund 3,5 sinken – auch S&P Global hatte den Ausblick zuvor bereits auf negativ gesetzt.

Bei InvestingPro haben zehn Analysten ihre Gewinnschätzungen für die kommende Periode nach unten korrigiert. Gleichzeitig gilt die Aktie nach gängigen Fair-Value-Modellen als unterbewertet – ein Widerspruch, der die aktuelle Unsicherheit rund um den Deal gut zusammenfasst.

Der Deal im Detail

USI erzielte in den vergangenen zwölf Monaten rund drei Milliarden Dollar Umsatz, gut zwei Drittel davon aus Sach- und Spezialversicherungsvermittlung.

Aon bewertet den Kaufpreis nach Anpassung für erwartete Synergien von 395 Millionen Dollar über drei Jahre mit dem 14,5-fachen EBITDA – ohne diese Anpassung liegt der Multiplikator bei rund 22. Für das Geschäftsjahr 2027 rechnet das Unternehmen mit einer Verwässerung des Ergebnisses, ab 2028 soll der Zukauf dann positiv zum Gewinn beitragen.

Aktienrückkäufe sind auf absehbare Zeit vom Tisch, da sich Aon zunächst auf den Schuldenabbau konzentrieren will. Für Anleger, die zuletzt an den kontinuierlichen Dividendenerhöhungen der vergangenen 14 Jahre Halt gefunden haben, bleibt diese Konstante zumindest vorerst unangetastet – wie sich der Verschuldungsgrad nach Abschluss der Transaktion im vierten Quartal tatsächlich entwickelt, dürfte die nächste entscheidende Wegmarke für die Bewertung der Aktie sein.