Seit Dienstag steht Apple offiziell unter einer neuen Führung: John Ternus hat den Posten des CEO von Tim Cook übernommen, der fortan als Executive Chairman fungiert. Der Wechsel erfolgt in einer Phase, in der der Technologiekonzern sowohl technologische Durchbrüche vorbereitet als auch mit wachsendem regulatorischem Gegenwind kämpft.

Während Ternus die Belegschaft auf eine produktseitig phänomenale Woche einschwört, sieht sich das Unternehmen am heutigen Donnerstag mit einer neuen Milliardenklage in Europa konfrontiert.

Milliardenklage in Großbritannien eingereicht

Am heutigen Donnerstag wurde am britischen Competition Appeal Tribunal (CAT) eine Sammelklage gegen Apple eingereicht. Die Organisation „ATT Collective Action“, angeführt von der ehemaligen Wettbewerbshüterin Ann Pope, fordert Schadensersatz in Höhe von rund 2 Milliarden Pfund (etwa 2,7 Milliarden US-Dollar). Der Vorwurf lautet, dass Apple mit der 2021 eingeführten „App Tracking Transparency“ (ATT) unfaire Regeln aufgestellt habe.

Die Kläger werfen dem Konzern vor, Dritten strengere Datenschutzvorgaben aufzuerlegen als den eigenen Diensten. Dies habe den Werbewert für externe App-Entwickler gemindert und gleichzeitig Apples eigene Werbeaktivitäten bevorzugt.

Apple weist die Vorwürfe zurück und betont, dass die ATT-Funktion dem Schutz der Privatsphäre der Nutzer diene. Für den neuen CEO stellt dieses Verfahren eine erhebliche Altlast dar, zumal Apple bereits im Oktober 2025 einen Prozess vor dem CAT verloren hatte, gegen den derzeit eine Berufung läuft.

Strategiewechsel und Analystenstimmen

John Ternus, der zuvor als Senior Vice President für das Hardware Engineering verantwortlich war, übernimmt die Leitung in einer Zeit des Umbruchs. Für sein erstes Jahr als CEO wurde ihm ein Vergütungspaket von bis zu 58 Millionen US-Dollar in Aussicht gestellt, während Cook für seine neue Rolle rund 47 Millionen US-Dollar anpeilt.

Erste interne Anweisungen sorgten bereits für Aufsehen: Unter Verweis auf eine Executive Order von US-Präsident Trump vom 27. August wurde etwa der Ontariosee in Apple Maps für US-Nutzer in „Lake America“ umbenannt.

Die Erwartungen an die nächste Produktgeneration sind hoch, doch die Meinungen der Analysten gehen weit auseinander. Die Experten von Morgan Stanley zeigen sich optimistisch und prognostizieren, dass ein für nächste Woche erwartetes faltbares iPhone allein im Dezember-Quartal einen Umsatzbeitrag von 14 Milliarden US-Dollar leisten könnte.

Demgegenüber steht eine deutliche Herabstufung durch das Analysehaus Jefferies. Die Analysten dort stuften den Titel heute auf „Underperform“ herab und senkten das Kursziel auf 263,66 US-Dollar. Als Grund nannten sie unter anderem die angebliche Absage eines „All-Glass-iPhone“-Projekts aufgrund technischer Produktionsschwierigkeiten.

Marktreaktion und Kostendruck

Zusätzlich belasten Berichte über massiv gestiegene Produktionskosten die Aussichten. Laut Daten von TrendForce sind die Speicherkosten für die kommende iPhone-Generation im Vergleich zum Vorjahr um fast 400 Prozent gestiegen. Dies könnte Apple dazu zwingen, die Verkaufspreise für die Pro-Modelle und das neue faltbare Gerät, das unter dem Namen „Ultra“ gehandelt wird, deutlich anzuheben. Schätzungen gehen von Einstiegspreisen jenseits der 2.000-Dollar-Marke aus.

An der Börse zeigt sich der Wert heute dennoch widerstandsfähig. Der aktuelle Kurs notiert bei 283,65 €, was einem Zuwachs von 1,2 % gegenüber dem gestrigen Handelsschluss entspricht. Damit summiert sich die Performance seit Jahresbeginn auf ein Plus von 22 %.

Das Papier bewegt sich derzeit mit einem Abstand von -6,0 % unter seinem 52-Wochen-Hoch von Ende Juli. Ob der angekündigte Produkt-Event am kommenden Mittwoch ausreicht, um die juristischen und analystenseitigen Bedenken zu zerstreuen, bleibt der zentrale Fokus der kommenden Woche.