Der iPhone-Hersteller Apple hat am Donnerstagabend seine Ergebnisse für das dritte Geschäftsquartal vorgelegt und dabei die Erwartungen beim Umsatz und Gewinn übertroffen. Dennoch reagierten die Anleger am heutigen Freitag mit deutlichen Verkäufen auf den Ausblick für die kommenden Monate. Im Fokus stehen dabei extreme Preissteigerungen bei Speicherchips und strukturelle Engpässe in der Lieferkette, die das Wachstum im laufenden Quartal bremsen könnten.

Rekordjagd bei iPhone und Mac

In dem am 27. Juni beendeten Quartal erzielte Apple einen Umsatz von 109,4 Milliarden US-Dollar, was einer Steigerung von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Der Nettogewinn kletterte auf 29,8 Milliarden US-Dollar. Besonders stark präsentierte sich das iPhone-Segment mit einem Umsatzplus von rund 22 Prozent auf 54,3 Milliarden US-Dollar. Auch die Mac-Sparte erreichte mit 10,4 Milliarden US-Dollar einen neuen Bestwert für ein Juni-Quartal, maßgeblich getrieben durch die Nachfrage nach dem neuen MacBook Neo.

Das Ergebnis je Aktie lag bei 2,02 US-Dollar. Darin enthalten ist ein positiver Sondereffekt von 0,11 US-Dollar aus Zollrückerstattungen. Ohne diesen Einmaleffekt hätte Apple dennoch die durchschnittlichen Analystenschätzungen von 1,89 US-Dollar übertroffen. Die Bruttomarge profitierte ebenfalls von diesen Rückerstattungen und erreichte 50,1 Prozent. Während die Hardware-Sparte florierte, blieb der Services-Umsatz mit 30,7 Milliarden US-Dollar leicht hinter den Markterwartungen von rund 31,2 Milliarden US-Dollar zurück, obwohl das Segment zum zwölften Mal in Folge ein zweistelliges Wachstum verzeichnete.

Warnung vor der „100-jährigen Flut“

Trotz der starken operativen Leistung trübte der Ausblick die Stimmung. Für das vierte Geschäftsquartal prognostiziert das Management ein Umsatzwachstum zwischen 9 und 11 Prozent, was unter der bisherigen Konsensschätzung von 12 Prozent liegt. CEO Tim Cook begründete diese Vorsicht mit massiven Herausforderungen in der Lieferkette. Er sprach in diesem Zusammenhang von einer „100-jährigen Flut“ bei den Preisen für Speicherchips wie DRAM und NAND.

Apple reagierte bereits mit Preiserhöhungen von bis zu 300 US-Dollar bei einigen Modellen, um die gestiegenen Komponentenkosten aufzufangen. Zudem belasten Kapazitätsbeschränkungen bei der Herstellung fortschrittlicher Prozessoren die Verfügbarkeit von Macs und iPhones. Um diesen Risiken zu begegnen, hat das Unternehmen seine Lagerbestände auf 11,1 Milliarden US-Dollar nahezu verdoppelt. Laut Cook sei dies kein reguläres Versorgungsproblem, sondern eine Folge von Prognoseschwierigkeiten bei der enormen Nachfrage.

Strategischer Wechsel an der Spitze

Das Quartal markierte zudem einen historischen Wendepunkt in der Unternehmensführung. Es war die letzte Bilanzvorlage unter der Leitung von Tim Cook als CEO. Er wird zum 1. September 2026 in die Rolle des Executive Chairman wechseln und den Posten des Vorstandsvorsitzenden an John Ternus übergeben. Ternus übernimmt ein Unternehmen, das eine installierte Basis von mehr als 2,5 Milliarden aktiven Geräten sowie über 1,5 Milliarden kostenpflichtige Abonnements meldet.

Ein Lichtblick für das künftige Wachstum kam aus China. Dort stieg der Umsatz im abgelaufenen Quartal um über 22 Prozent auf 18,8 Milliarden US-Dollar. Cook bestätigte zudem, dass die Funktionen der neuen „Apple Intelligence“ nach zweijähriger Prüfung in China genehmigt wurden, was den Absatz in der Region künftig stützen dürfte.

Marktreaktion und Aktionärsrendite

An der Börse wird der vorsichtige Ausblick heute abgestraft. Die Apple-Aktie notiert aktuell bei 268,85 Euro, was einem Rückgang von 7,07 Prozent entspricht. Damit vergrößert sich der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 301,80 Euro auf 10,92 Prozent.

Trotz der kurzfristigen Kursverluste hält das Unternehmen an seiner Ausschüttungspolitik fest. Apple zahlt am 13. August eine Dividende von 0,27 US-Dollar je Aktie an die zum 10. August eingetragenen Aktionäre. Zudem kaufte der Konzern im abgelaufenen Quartal eigene Aktien im Wert von 25,8 Milliarden US-Dollar zurück. Insgesamt ist für diesen Zweck ein Rahmen von 100 Milliarden US-Dollar genehmigt.