Um 19:00 Uhr deutscher Zeit hebt sich in Cupertino der Vorhang für die erste Keynote unter John Ternus. Der neue Apple-Chef, der Tim Cook zum Monatswechsel abgelöst hat, präsentiert unter dem Motto „Surprise and shine“ das erste faltbare iPhone des Konzerns. Die eigentlich entscheidende Zahl für die Aktie steckt jedoch nicht in der Produktankündigung, sondern im Kleingedruckten des letzten Quartalsberichts.
Speicherchips drücken auf die Marge
Für das laufende Quartal stellt Apple eine Bruttomarge von 47 bis 48 Prozent in Aussicht, nach 50,1 Prozent im Juniquartal. Finanzchef Kevan Parekh machte auf der letzten Telefonkonferenz klar: Steigende Speicherkosten erklären den gesamten Margenrückgang, alle anderen Faktoren wirken sogar leicht entlastend.
In den ausgewiesenen 50,1 Prozent steckten zudem rund zwei Punkte aus Zollrückerstattungen — bereinigt fällt die Marge damit auf das Niveau des Vorjahresquartals von 47,2 Prozent zurück.
Der Mechanismus dahinter ist simpel: Apple kauft Arbeits- und Flashspeicher auf demselben Markt, auf dem KI-Rechenzentren derzeit jede verfügbare Kapazität binden. Bei einem Quartalsumsatz von zuletzt 109,42 Milliarden Dollar kostet jeder Prozentpunkt Marge rund 1,09 Milliarden Dollar Rohertrag. Diese Rechnung dürfte im Herbst mehr über den Aktienkurs entscheiden als jedes neue Gerät.
Das Falt-iPhone als teures Statussymbol
Erwartet werden neben dem iPhone 18 Pro und Pro Max auch neue Uhren und Kopfhörer. Das reguläre iPhone 18 soll dagegen erst im Frühjahr 2027 folgen — ein Bruch mit dem gewohnten Jahresrhythmus, der die Verkaufskurve über das Jahr glätten soll.
Beim Falt-iPhone rechnen Marktbeobachter mit einem Einstiegspreis um 2.199 Dollar vor Steuern, höher als ursprünglich angepeilt — die Preisexplosion bei Speicherchips lässt grüßen. Kompromisse soll es beim Teleobjektiv geben, zudem soll das Gerät statt Face ID wieder per Fingerabdruck entsperrt werden.
Die Marktforscher von IDC erwarten dennoch, dass Apple binnen zwölf Monaten die Marktführerschaft bei faltbaren Smartphones übernimmt, mit einem prognostizierten Umsatzanteil von 44 Prozent bis 2027 — aktuell dominiert noch Huawei das Segment.
Abseits des Smartphone-Geschäfts liefert Apple im PC-Markt derweil ungewöhnlich starke Zahlen: Die US-Auslieferungen legten im zweiten Quartal um 32,1 Prozent zu, getragen von einer vollen Verkaufsperiode des MacBook Neo. Das hievte Apple in den USA an Lenovo vorbei auf Platz drei der PC-Hersteller.
Die Aktie notierte zuletzt bei rund 316 Dollar, etwas leichter im vorbörslichen Handel und gut fünf Prozent unter ihrem Rekordhoch vom 27. Juli. Wer auf die Keynote schaut, sollte weniger auf die Scharniertechnik des Faltgeräts achten als auf jede Aussage zur Kostenentwicklung bei Speicherchips — sie entscheidet, ob die Marge im Weihnachtsquartal näher an 47 oder an 48 Prozent landet.
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