Applied Digital erholt sich – aber die Aktie bleibt ein Wackelkandidat. Am Dienstag springt das Papier um 6,90 Prozent auf 26,02 Euro. Der Kurs liegt damit immer noch gut 40 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 43,48 Euro.

Die Erholung begann bereits am Montag, als IREN um 17 Prozent zulegte und auch TeraWulf sowie Core Scientific kräftig zulegten. Applied Digital zog mit. Marktbeobachter werten die Bewegung als technische Gegenreaktion nach einem Ausverkauf, nicht als Trendwende. Zuvor war die Aktie binnen eines Monats um 43 Prozent eingebrochen.

Optionsmarkt erwartet heftigen Ausschlag

Die Zahlenvorlage rückt näher, und der Optionsmarkt bereitet sich auf Turbulenzen vor. Die implizite Volatilität preist eine erwartete Tagesbewegung von rund 2 Dollar ein. Mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit rechnen Optionshändler sogar mit einem Ausschlag von mehr als 13,72 Prozent nach den Zahlen.

Diese Erwartung ist keine Übertreibung. Die Historie zeigt: Applied Digital sprengt regelmäßig die eigenen Prognosen. Im Januar 2026 bewegte sich die Aktie um 32,6 Prozent, obwohl der Markt nur 14,2 Prozent eingepreist hatte. Im Oktober 2025 waren es sogar 36 Prozent gegenüber erwarteten 18,3 Prozent. Einzig im April dieses Jahres blieb die Reaktion mit 7,7 Prozent unter der impliziten Erwartung von 14,7 Prozent.

Chart zeigt Erholung mit Fragezeichen

Trotz der jüngsten Sprünge bleibt das technische Bild angeschlagen. Der Kurs notiert weiterhin unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 34,54 Euro und unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 27,94 Euro. Das signalisiert: Der übergeordnete Abwärtstrend ist noch intakt, auch wenn die aktuelle Erholung Kraft zeigt.

Der Relative-Stärke-Index steht bei 40,3 Punkten. Das deutet auf Spielraum nach oben hin, ohne bereits überkauft zu sein. Analysten nennen 29 Dollar als nächste Widerstandsmarke, während die Zone um 24 Dollar als Unterstützung gilt – dort hatten Käufer zuletzt nach dem Ausverkauf eingegriffen.

Operatives Geschäft läuft besser als der Kurs

Unter der Oberfläche der Kursschwankungen läuft das Geschäft solide. Im jüngsten Quartal meldete Applied Digital einen Gewinn je Aktie von 9 Cent – erwartet hatte der Konsens einen Verlust von 17 Cent. Der Umsatz kam bei 126,6 Millionen Dollar herein, deutlich über der Schätzung von 77,11 Millionen Dollar.

Damit reiht sich das Unternehmen zum siebten Mal in Folge in die Liste der Firmen ein, die die Erwartungen übertreffen. CEO Wes Cummins führt das Wachstum auf die steigende Nachfrage von CoreWeave zurück. Der Umsatz kletterte um 139 Prozent, während die Investitionsausgaben der großen Cloud-Anbieter von rund 400 Milliarden auf 700 Milliarden Dollar stiegen.

Auch TV-Investor Jim Cramer äußerte sich zuletzt positiv zur Aktie, mahnte in der „Mad Money Lightning Round“ aber zur Vorsicht: Anleger sollten „klein anfangen, nicht groß“, schließlich schreibe das Unternehmen weiterhin Verluste.

Earnings-Call am 27. Juli als nächster Prüfstein

Die Zahlen zum vierten Geschäftsquartal und zum Gesamtjahr 2026 stehen am 27. Juli auf der Agenda. Angesichts der Historie – die Aktie hat die implizite Erwartung in den meisten der vergangenen Quartale übertroffen – dürfte die Reaktion auch diesmal kräftig ausfallen. Ob die aktuelle Erholung Bestand hat, entscheidet sich an diesem Termin.