Applied Digital beschleunigt die Bereitstellung von Rechenzentren für künstliche Intelligenz und stützt sich dabei auf langfristige Verträge mit Großkunden. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 kletterte der Umsatz im Jahresvergleich um 322 Prozent auf 341,9 Millionen US-Dollar. Getragen wurde der sprunghafte Anstieg im Bereich High-Performance-Computing vor allem von umfangreichen Ausbaudienstleistungen für Mieter.

Das Unternehmen wandelt sich rasant vom Projektentwickler zum Betreiber großvolumiger Infrastruktur. CEO Wes Cummins betonte die langfristige Ausrichtung der neuen Campusse, deren Betriebszeitraum auf mehrere Jahrzehnte ausgelegt ist. Die Nachfrage nach spezialisierten Rechenkapazitäten und gesicherter Energieversorgung für KI-Anwendungen treibt den Ausbau voran.

Hohe Vorlaufkosten belasten das Nettoergebnis

Trotz des deutlichen Umsatzsprungs hinterlässt das hohe Investitionstempo Spuren in der Erfolgsrechnung. Zwar stieg das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf 64,4 Millionen US-Dollar. Unter dem Strich stand jedoch ein Nettoverlust aus fortgeführten Geschäftsbereichen von 221,0 Millionen US-Dollar für die Stammaktionäre. Bereinigt lag das Minus je Aktie bei 0,01 US-Dollar.

Die erhebliche Lücke zwischen operativem Zuwachs und dem bilanziellen Periodenverlust verdeutlicht die kapitalintensive Phase des Unternehmens. Neben aktienbasierten Vergütungen und Bewertungseffekten bei Derivaten treiben vor allem die Finanzierungskosten der raschen Expansion das Gesamtergebnis ins Minus.

Um den massiven Baufortschritt abzusichern, platzierte eine Tochtergesellschaft besicherte Anleihen über 1,59 Milliarden US-Dollar. Zum Ende des Berichtsquartals summierten sich die Gesamtschulden auf 6,4 Milliarden US-Dollar. Dem standen liquide Mittel einschließlich beschränkter Barmittel in Höhe von 3,7 Milliarden US-Dollar gegenüber.

Langfristige Mietverträge stützen die Pipeline

Dem hohen Kapitalbedarf steht eine wachsende vertragliche Erlösbasis gegenüber. Über die anfänglichen Grundlaufzeiten summiert sich der Vertragsumsatz an fünf Standorten auf rund 36 Milliarden US-Dollar. Diese Vereinbarungen decken eine kritische IT-Last von insgesamt rund 1,41 Gigawatt ab. Am Standort Polaris Forge 1 stieg die betriebsbereite Kapazität nach Abschluss des Quartals auf 250 Megawatt.

Die vertragliche Bindung großer Hyperscaler und spezialisierter Cloud-Anbieter bildet das Rückgrat für die Refinanzierung der Bauvorhaben. Für Applied Digital kommt es nun darauf an, die vertraglich gebundenen Kapazitäten zeitplangerecht ans Stromnetz anzuschließen und die Datenhallen betriebsbereit zu übergeben.

Bis Jahresende soll die bereitgestellte IT-Last an den Standorten in North Dakota auf 300 Megawatt steigen. Für die kommenden zwölf Monate plant das Management die Inbetriebnahme von mehr als 600 Megawatt. Als weitere Ausbaureserve sicherte sich das Unternehmen zudem Optionen auf künftige Stromkapazitäten in Finnland.

Marktreaktion spiegelt Skepsis wider

Die Börse reagierte verhalten auf das Zusammenspiel aus operativem Wachstum und hoher Verschuldung. Die Aktie von Applied Digital beendete den gestrigen Mittwoch mit einem Abschlag von 5,2 Prozent bei 21,34 Euro.