Applied Materials hebt die Prognose für sein Kerngeschäft massiv an. Der US-Konzern erwartet für sein Anlage-Segment nun über 30 Prozent Wachstum im Jahr 2026. Der Grund ist die gigantische Nachfrage nach KI-Infrastruktur. An der Börse bescherte dies der Aktie einen enormen Jahresgewinn von fast 112 Prozent.

Parallel dazu baut sich massiver Verkaufsdruck auf. In den vergangenen sieben Tagen stürzte das Papier branchenweit um gut 15 Prozent ab. Der Kurs fiel vom jüngsten Rekordhoch bei 647,80 Euro auf aktuell 485,45 Euro.

Die entscheidende Frage

Dieser plötzliche Rücksetzer zwingt Investoren zur Einordnung. Der Markt ringt um die Bewertung der aktuellen Nachfrage nach Wafer-Anlagen. Beobachter debattieren hart, ob ein dauerhafter Strukturwandel stattfindet oder lediglich der zyklische Höhepunkt erreicht ist. Die künftige Entwicklung hängt direkt an den Investitionsbudgets der Chiphersteller. Sie müssen ihre Kapazitäten für KI-Technologien weiter rasant ausbauen.

Das Bullenszenario

Vieles spricht für ein starkes weiteres Wachstum. Der Ausbau von KI-Rechenzentren erfordert modernste Halbleiter. Applied Materials meldete zuletzt Rekordumsätze in diesem Bereich. Große Auftragsfertiger wie TSMC und Samsung Electronics erweitern ihre Fabriken derzeit massiv. Sie brauchen dringend Maschinen für die Wafer-Herstellung und moderne Chip-Verpackungen. Genau das liefert Applied Materials.

Das Management sieht keine Anzeichen für eine konjunkturelle Verlangsamung. Der Konzern ist weltweit in über 100 neue Fabrikprojekte involviert. Die Auslieferung der meisten Anlagen soll zwischen dem kommenden Jahr und 2028 erfolgen.

Auch der Technologiewechsel treibt das Geschäft an. Der Übergang zu 3D-DRAM-Speichern erfordert deutlich mehr Materialeinsatz. Um diesen technologischen Vorsprung zu halten, investiert der Konzern jährlich bis zu drei Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung. Analysten stufen den globalen Marktanteil von rund 20 Prozent als sehr stabil ein.

Die Risiken auf der Unterseite

Die Kehrseite der Medaille bleibt die harte Branchen-Zyklik. Die Halbleiterindustrie durchläuft regelmäßig tiefe Täler nach Phasen extremen Wachstums. Applied Materials ist komplett vom Investitionswillen der Chip-Produzenten abhängig. Streichen diese ihre Budgets zusammen, bricht der Umsatz direkt ein.

Genau hier wachsen die Zweifel. Der Markt diskutiert zunehmend, ob die aktuellen KI-Bewertungen gerechtfertigt sind. Diese Skepsis löste den jüngsten Abverkauf im gesamten Sektor aus. Auch Wettbewerber wie Lam Research und KLA spüren den Druck. Applied Materials ist zwar breit aufgestellt. Dennoch muss der Konzern seine Marktanteile gegen diese hochspezialisierten Rivalen erbittert verteidigen.

Ein strategisches Risiko bergen zudem die US-Exportkontrollen gegenüber China. Sie erschweren die Planung enorm. Obendrein kursieren Berichte über Großkunden wie SK Hynix. Der Speicherhersteller drosselt offenbar den Ausbau seiner speziellen KI-Speicherchips. Der Markt wertet dies als erstes Warnsignal für eine Abkühlung.

Ausblick und Katalysatoren

Solange der Ausbau der KI-Infrastruktur globale Milliardenbudgets freisetzt, bleibt Applied Materials hervorragend positioniert. Die Führungsposition bei Logik-Chips sichert die Basis für künftige Gewinne.

Die aktuelle Marktbewertung verzeiht jedoch keine Fehler. Der Börsenwert liegt bei rund 419 Milliarden Euro. Der aktuelle Kurs notiert 25 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch, hält sich aber noch gut 10 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt. Das Konsens-Kursziel der Analysten liegt derzeit bei 506,06 Euro.

Ein direkter Katalysator für die Aktie liegt in den kommenden Quartalszahlen der großen Kunden. Halten TSMC und Samsung ihre geplanten Investitionsvolumina für Wafer-Fabriken im nächsten Quartal aufrecht, stützt dies das bullische Szenario. Kürzen die asiatischen Chiphersteller hingegen ihre Budgets für Ausrüster, droht Applied Materials ein erneuter Test des 100-Tage-Durchschnitts bei 376,93 Euro.