Applied Materials hat gerade das stärkste Quartal seiner Geschichte vorgelegt. Der Ausblick übertrifft die Erwartungen der Analysten deutlich. Trotzdem verlor die Aktie nachbörslich rund fünf Prozent — ein Muster, das sich beim Chipausrüster wiederholt.
Zahlen über den Erwartungen, Kurs darunter
Der Umsatz kletterte im dritten Geschäftsquartal auf 9,12 Milliarden Dollar, ein Plus von 25 Prozent zum Vorjahr und über dem Konsens von rund 9,00 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte mit 3,50 Dollar ebenfalls einen Rekordwert. Die bereinigte Bruttomarge stieg auf 50,4 Prozent — bereits das dreizehnte Quartal in Folge mit Margenausweitung.
Noch deutlicher fiel der Ausblick aus. Für das vierte Quartal stellt Applied Materials einen Umsatz von etwa 10,25 Milliarden Dollar in Aussicht, deutlich über dem Konsens von 9,54 Milliarden Dollar. Selbst das untere Ende der Prognosespanne läge über den Analystenschätzungen.
Der Markt reagierte trotzdem kühl. Nach einem regulären Schlusskurs von 534,54 Dollar, bereits 2,5 Prozent im Minus, gab die Aktie nachbörslich bis auf rund 508 Dollar nach. Als Grund nannten Marktbeobachter den Ausblick auf eine im vierten Quartal unveränderte Bruttomarge sowie steigende Betriebskosten durch Kapazitäts- und Personalaufbau.
Der Wachstumstreiber heißt Speicher
Unter der Oberfläche zeigt sich, wo das Wachstum tatsächlich herkommt. Das Segment Semiconductor Systems erzielte einen Rekordumsatz von 7,04 Milliarden Dollar, die Segmentmarge kletterte von 33 auf 38 Prozent. Der Anteil von DRAM am Segmentumsatz stieg auf 26 Prozent — getrieben von der Nachfrage nach Hochbandbreitenspeicher für KI-Anwendungen.
Vorstandschef Gary Dickerson sprach von einer beispiellosen Nachfrage durch den globalen Ausbau der KI-Infrastruktur und hob die Wachstumserwartung für das Semiconductor-Systems-Geschäft im Kalenderjahr 2026 von über 20 Prozent auf über 30 Prozent an.
Führende Logikfertigung, DRAM und Advanced Packaging sollen zusammen rund 80 Prozent des Wachstums bei Fertigungsanlagen in den Jahren 2026 und 2027 tragen. Für das Advanced-Packaging-Geschäft rechnet das Management mit einem Umsatzplus von mehr als 70 Prozent im Kalenderjahr 2026.
Der Umsatzanteil Chinas sank auf 26 Prozent des kombinierten Semiconductor-Systems- und Services-Geschäfts — absolut blieb das China-Geschäft aber weitgehend stabil, weil andere Regionen stärker zulegten.
Auffällig ist ein wiederkehrendes Muster: Seit fünf aufeinanderfolgenden Quartalen mit übertroffenen Erwartungen schließt die Aktie am Zahlentag im Schnitt rund zwei Prozent im Minus — und notierte 30 Tage später jeweils höher.
Die aktuelle Reaktion fügt sich in dieses Bild. Für die kommenden Wochen dürfte entscheidend sein, ob Investoren die angehobene Wachstumsprognose für 2026 und 2027 stärker gewichten als die kurzfristig unveränderte Margenerwartung.
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