Starke Zahlen, kalte Reaktion
AppLovin hat am Freitag Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt, die auf den ersten Blick keinen Anlass zur Sorge geben: Der Umsatz kletterte auf 1,92 Milliarden Dollar, ein Plus von 53 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Nettogewinn erreichte 1,27 Milliarden Dollar. Trotzdem brach die Aktie um 12,4 Prozent ein – offenbar hatten Anleger noch mehr erwartet.
Auch auf der Profitabilitätsseite lieferte AppLovin ab: Das bereinigte EBITDA legte um 58 Prozent auf 1,61 Milliarden Dollar zu, der freie Cashflow lag bei 863 Millionen Dollar.
Für das laufende dritte Quartal stellt das Unternehmen einen weiteren Umsatzanstieg auf 2,06 bis 2,09 Milliarden Dollar in Aussicht. App Economy Insights bezeichnete das Ergebnis in einem wöchentlichen Marktüberblick trotzdem als „Model Timing Miss“ – ein Hinweis darauf, dass interne Erwartungen offenbar noch ambitionierter ausfielen als das ohnehin kräftige Wachstum.
Aktienrückkäufe und SEC-Klarheit ändern wenig
Parallel zu den Zahlen räumte AppLovin zwei Unsicherheiten aus dem Weg. Eine Untersuchung der US-Börsenaufsicht SEC wurde ohne Maßnahmen gegen das Unternehmen abgeschlossen. Zudem hat AppLovin im Rahmen seines Rückkaufprogramms bereits 22,8 Prozent aller ausstehenden Aktien für 6,72 Milliarden Dollar erworben, für weitere Rückkäufe stehen noch 1,8 Milliarden Dollar an Autorisierung bereit. Dass der Kurs trotz dieser Kombination aus Wachstum, Profitabilität, regulatorischer Entlastung und Kapitalrückführung nachgab, zeigt, wie hoch die Erwartungshaltung an AppLovin inzwischen liegt.
Analysten kürzen Kursziele, bleiben aber mehrheitlich zuversichtlich
Mehrere Analysehäuser reagierten mit gesenkten Kurszielen. Die Royal Bank of Canada reduzierte ihre Zielmarke von 700 auf 575 Dollar, beließ das Rating aber bei „Outperform“. Goldman Sachs siedelt sein Kursziel dagegen bei 465 Dollar an und bewertet die Aktie neutral.
Weitere Analysehäuser bewegen sich in einer Spanne zwischen 385 und 610 Dollar. Im Durchschnitt liegt das Kursziel bei 574,82 Dollar – eine Einordnung, die einem „Moderate Buy“ entspricht und trotz der Kürzungen weiterhin deutlich über dem aktuellen Kursniveau liegt.
Wachstum zunehmend preisgetrieben, Insider verkaufen
Kritischer fällt eine Einschätzung aus, wonach das Wachstum im zweiten Quartal fast ausschließlich preisgetrieben gewesen sei, während das Installationsvolumen zurückging und sich das sequenzielle Wachstum auf nur noch 4 Prozent verlangsamte. Der Gaming-Markt, in dem AppLovin seinen Daten-Vorsprung aufgebaut hat, gilt demnach bereits als stark durchdrungen. Dieser Vorteil lasse sich zudem nicht ohne Weiteres auf das Consumer-Geschäft übertragen, weshalb ein Discounted-Cashflow-Modell nur noch begrenztes Aufwärtspotenzial zeige. Parallel dazu trennten sich Insider zuletzt von Anteilen: In den vergangenen 90 Tagen wurden 393.000 Aktien im Wert von 197,3 Millionen Dollar verkauft.
Kurs nahe Jahrestief, Chartbild überverkauft
Am deutschen Markt schloss die Aktie am Freitag bei 299,90 Euro und liegt damit nur noch 4,11 Prozent über ihrem jüngsten 52-Wochen-Tief. Der Relative-Stärke-Index von 30,9 deutet auf eine überverkaufte Aktie hin – ein technisches Bild, das zu der turbulenten Kursentwicklung der vergangenen Wochen passt. Für Anleger bleibt die Spanne zwischen den skeptischen operativen Einschätzungen und den weiterhin optimistischen Kurszielen der Analysten vorerst groß.
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