Gestern hat die Bank of America ihr Kursziel für AppLovin von 400 auf 325 US-Dollar gesenkt und ihre Einstufung auf Neutral belassen. Die Analysten sehen angesichts vergleichbarer Bewertungen und Wachstumsraten bei Branchengrößen wie Alphabet und Meta keinen Grund für einen Bewertungsaufschlag, solange eine nachhaltige mehrjährige Wachstumsbeschleunigung ausbleibt.

Gleichzeitig wächst der juristische Druck auf das Softwareunternehmen, da in den USA mehrere Fristen in anhängigen Wertpapier-Sammelklagen näher rücken.

Der Titel ging am Freitag bei 247,35 Euro aus dem Handel, was einem Tagesminus von 1,0 Prozent entspricht. Seit Jahresanfang summiert sich der Kursverlust damit auf 58 Prozent.

Vorwürfe um KI-Modelle und Entwicklungsverzögerungen

Hintergrund der rechtlichen Auseinandersetzungen sind Vorwürfe bezüglich der Kommunikation rund um neue Technologien. Mehrere US-Kanzleien informieren geschädigte Anleger über eine bis zum 16. November 2026 laufende Frist, um beim zuständigen US-Bezirksgericht für Nordkalifornien die Ernennung zum Hauptkläger zu beantragen. Das Verfahren mit dem Aktenzeichen 26-cv-10584 betrifft Aktionäre, die zwischen dem 12. Februar und dem 5. August 2026 Wertpapiere erworben haben.

In den Klageschriften wird dem Management vorgeworfen, Verzögerungen bei der Bereitstellung eines generativen KI-Videotools für AppLovin Ads verschwiegen zu haben. Zudem seien Aussagen zur Kontinuität von Verbesserungen der firmeneigenen KI-Modelle irreführend gewesen.

Die Kläger verweisen darauf, dass das Unternehmen während des betroffenen Zeitraums Insiderverkäufe im Volumen von über 109,1 Millionen US-Dollar verzeichnete, während die Aktie nach Bekanntwerden der Probleme spürbar einbrach.

Gespaltene Erwartungen an der Wall Street

Die Skepsis am Markt verschärfte sich bereits im Sommer, nachdem die Umsätze für das zweite Quartal mit 1,92 Milliarden US-Dollar leicht unter dem Konsens von 1,94 Milliarden US-Dollar geblieben waren. Für das dritte Quartal peilt das Management nun Erlöse in einer Spanne von 2,06 bis 2,09 Milliarden US-Dollar an.

Während die Bank of America zurückhaltend bleibt, sehen andere Marktbeobachter die Bewertungschance. Needham bekräftigte eine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 475 US-Dollar. Die Analysten verweisen auf das langfristige Ertragspotenzial und stützen sich auf ein Bewertungsmultiple, das dem historischen Durchschnitt entspricht.

Für die Anleger bleibt entscheidend, ob das Unternehmen die Verzögerungen bei den KI-Werkzeugen operativ rasch überwinden und die Prognosen für das laufende Quartal erfüllen kann.