Die Unruhe rund um AppLovin reißt nicht ab. Gestern gab die Anwaltskanzlei Kessler Topaz Meltzer & Check bekannt, dass eine Wertpapier-Sammelklage gegen das Unternehmen eingereicht wurde. Betroffen sind Anleger innerhalb des definierten Klagezeitraums.

Zwar handelt es sich bei den Anschuldigungen bislang lediglich um Behauptungen und keineswegs um gerichtlich festgestellte Tatsachen. Dennoch kommt der Schritt zur Unzeit und verstärkt die Verunsicherung unter den Marktteilnehmern spürbar.

Für mich zeigt dieser Schritt vor allem eines: Wenn ein Wachstumswert erst einmal ins Trudeln gerät, formieren sich rasch juristische Folgekonflikte, die das Sentiment zusätzlich belasten.

Juristisches Tauziehen um Daten und Plattformen

Die neue Klage ist nicht die einzige juristische Baustelle des Unternehmens. Erst am Mittwoch hatte AppLovin einen gerichtlichen Antrag eingereicht, um Unity Software daran zu hindern, Daten im Zusammenhang mit Anzeigen über die MAX-Plattform von AppLovin zu erfassen und zu nutzen. Flankiert wird diese Auseinandersetzung von einem privaten Schiedsverfahren. Auch hier gilt: Die erhobenen Vorwürfe sind bislang nicht richterlich entschieden.

Einen Dämpfer gab es in dieser Sache bereits am Donnerstag. Das zuständige Gericht in San Francisco wies den Antrag von AppLovin auf eine einstweilige Verfügung gegen das Ad Quality SDK von Unity Software ab.

Diese Entscheidung betraf ausdrücklich nur den vorläufigen Eil-Rechtsschutz und nicht das Verfahren in der Hauptsache. Dennoch werteten Marktteilnehmer den Ausgang offenbar als Schwächesignal im Ringen um die Kontrolle über werberelevante Daten.

Marktreaktion spiegelt wachsende Skepsis wider

Die Häufung dieser Streitigkeiten hinterlässt an der Börse deutliche Spuren. Am Freitag fiel der Kurs um 5,0 % auf einen Schlusskurs von 237,85 €. Medienberichten zufolge stand bereits die gerichtliche Ablehnung der einstweiligen Verfügung in direktem Zusammenhang mit den jüngsten Kursverlusten.

Die Skepsis der Investoren reicht allerdings tiefer, als es ein einzelner schwacher Handelstag vermuten lässt. Seit Jahresanfang hat das Wertpapier bereits 60 % an Wert eingebüßt. Dass sich der Kurs nun bedrohlich nahe an den Tiefstständen der vergangenen Monate bewegt, unterstreicht die Schwere der Vertrauenskrise.

Unterm Strich steht AppLovin vor einer komplexen Gemengelage. Zwar sind weder die Vorwürfe aus der Sammelklage noch der Streit mit Unity in der Sache entschieden, doch die juristischen Schauplätze binden Ressourcen und schüren Zweifel an der Marktposition. Solange hier keine Klarheit herrscht, spricht wenig für eine schnelle Entspannung der Lage. Die Risiken dürften für Anleger vorerst dominieren.