ASM International hat heute Denise Koopmans für den Aufsichtsrat vorgeschlagen. Über ihre Kandidatur soll eine außerordentliche Hauptversammlung voraussichtlich Anfang März 2027 abstimmen. Die Personalentscheidung steht damit noch aus. Sie fällt in eine Phase beschleunigter Wachstumspläne, deren Umsetzung vor allem von der Lieferfähigkeit abhängt.
Für Anleger laufen damit zwei Entwicklungen zusammen: die geplante Besetzung des Kontrollgremiums und die operative Bewältigung einer deutlich höheren Nachfrage. Während die Kandidatur noch der Zustimmung bedarf, hat ASM seine Geschäftserwartungen bereits angehoben.
Wachstumsziel rückt deutlich nach vorn
ASM erwartet für 2027 bei konstanten Wechselkursen mehr als 5,7 Milliarden Euro Umsatz. Damit könnte das Unternehmen sein ursprünglich für 2030 gesetztes Umsatzziel früher erreichen. Es handelt sich um eine Prognose, nicht um bereits gesicherte Erlöse.
Die Nachfrage nach Anlagen für fortschrittliche Chipfertigung trägt diese Erwartungen. Wachstumsimpulse kommen insbesondere aus der fortschrittlichen Logik- und Auftragsfertigung sowie dem Speichergeschäft. Investitionen in KI-Infrastruktur unterstützen die Entwicklung.
Für 2026 stellt ASM bei konstanten Wechselkursen rund 35 Prozent Umsatzwachstum in Aussicht. Der Anlagenumsatz soll dabei um mehr als 40 Prozent steigen.
Die jüngsten Quartalsergebnisse untermauern den Expansionskurs. Sowohl Anlagenverkäufe als auch Dienstleistungen legten kräftig zu. Entscheidend ist deshalb weniger ein einzelner Nachfrageimpuls als die Frage, wie verlässlich ASM den höheren Bedarf seiner Kunden bedienen kann.
Im dritten Quartal 2026 erreichte die Bruttomarge 52,0 Prozent. Die bereinigte operative Marge lag bei 33,4 Prozent. Das Wachstum ging damit mit einer hohen operativen Profitabilität einher.
Lieferkette begrenzt die Planungssicherheit
Die größte Einschränkung des positiven Ausblicks liegt in der Umsetzung. Laut DIGITIMES rückt mit den vorgezogenen Wachstumszielen die Lieferkette stärker in den Mittelpunkt. ASM verfügt nach Angaben von CEO Hichem M’Saad über ausreichende eigene Produktionskapazitäten. Teile der Zulieferkette stehen jedoch unter Druck.
Für das vierte Quartal 2026 prognostiziert ASM bei konstanten Wechselkursen einen Umsatz von 1,23 Milliarden Euro mit einer Bandbreite von ±5 Prozent. Angespannte Lieferketten könnten geplante Auslieferungen erschweren.
Zugleich ist nicht die gesamte erwartete Nachfrage bereits durch Bestellungen gedeckt. CFO Paul Verhagen verwies auf eine verbesserte Sichtbarkeit, unterschied diese aber ausdrücklich von fest verbuchten Aufträgen. Kundenpläne und gesicherter Auftragsbestand sind deshalb nicht gleichzusetzen.
Die vorgeschlagene Aufsichtsratsbesetzung begleitet somit einen anspruchsvollen Expansionskurs. Für die Beurteilung der Aktie zählt neben den Margen vor allem, ob ASM die angekündigten Auslieferungen tatsächlich bewältigt. Der höhere Umsatzausblick verbessert die Wachstumsperspektive; die Lieferkettenrisiken hebt er nicht auf.
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