Zwei Tage vor den Quartalszahlen gerät die ASML-Aktie ins Wanken. Der Kurs fällt am Montag um 2,54 Prozent auf 1.534,20 Euro. Anleger stellen sich eine einfache Frage: Rechtfertigen die Zahlen am Mittwoch das hohe Kursniveau der letzten Monate?
Der Rückgang wirkt zunächst dramatisch. Er relativiert sich aber schnell im Kontext des Jahres. Seit Januar hat die Aktie 55,24 Prozent zugelegt, binnen zwölf Monaten sogar 122,09 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 1.748 Euro, erreicht erst am 30. Juni, liegt der Titel aktuell rund zwölf Prozent entfernt.
Diese Rally hat ihren Preis. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der vergangenen zwölf Monate liegt inzwischen über dem Faktor 60. Ein Wert, der hohe Erwartungen an das kommende Quartal setzt.
Der Gewinn-Test am Mittwoch
Am 15. Juli legt ASML die Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor. Analysten erwarten im Konsens einen Gewinn von 8,02 Euro pro Aktie. Im Fokus steht dabei vor allem die Bruttomarge. Das Management aus Veldhoven hatte für das Gesamtjahr eine Spanne von 51 bis 53 Prozent in Aussicht gestellt.
Der Rückenwind kommt weiterhin vom sogenannten KI-Superzyklus. Die Nachfrage nach Lithografiesystemen für Chipfertigung bleibt außergewöhnlich hoch. Ob sich dieser Trend in den Zahlen konkret niederschlägt, wird sich am Mittwoch zeigen.
Milliarden-Rückkauf läuft weiter
Parallel zur Berichtssaison treibt ASML sein Kapitalrückführungsprogramm voran. Am 28. Januar 2026 hatte der Konzern ein Rückkaufvolumen von bis zu 12 Milliarden Euro bis 2028 angekündigt. Ziel ist es, überschüssige Liquidität an Aktionäre zurückzugeben und zugleich Mitarbeiterbeteiligungsprogramme zu bedienen.
Die Umsetzung läuft täglich. In der Woche bis zum 3. Juli kaufte ASML Aktien zu gewichteten Durchschnittspreisen zwischen rund 1.587 und 1.696 Euro zurück. Der Großteil der erworbenen Anteile soll eingezogen werden — das stützt langfristig den Gewinn pro Aktie.
High-NA EUV: Teure Zukunftstechnologie
Ein weiterer Punkt, den Investoren am Mittwoch genau beobachten dürften: der Fortschritt bei der nächsten EUV-Generation. ASML testet die neuen TWINSCAN EXE:5200-Systeme gemeinsam mit Schlüsselkunden wie Intel und SK Hynix. Diese Maschinen sollen künftig Chips unterhalb der 2-Nanometer-Schwelle produzieren.
Der Preis pro Anlage ist beträchtlich: zwischen 350 und 400 Millionen Euro. Entscheidend wird sein, wie das Management den Übergang von der Entwicklung zur Massenfertigung kommentiert. Dieser Schritt wird für 2027 oder 2028 erwartet.
Technisch zeigt sich die Aktie aktuell unentschlossen. Der 14-Tage-RSI liegt bei 48,1 — ein neutraler Wert ohne klare Richtung. Zum langfristigen Aufwärtstrend besteht aber weiterhin deutlicher Abstand nach oben: Der Kurs liegt 31,13 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 1.170 Euro. Am Mittwoch entscheidet sich, ob die Zahlen diese Bewertung stützen können.
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