Die Papiere von ASML legten am Freitag kräftig zu. Ein Tagesplus von knapp fünf Prozent hievte den Kurs auf 1.628 Euro. Damit rückt das bisherige Rekordhoch in greifbare Nähe.

Seit Jahresbeginn beläuft sich der Kursgewinn auf satte 64 Prozent. Große Banken heben ihre Ziele für die Aktie deutlich an. UBS und Barclays sehen den Titel künftig bei mindestens 2.000 Euro. Der Markt erwartet gewaltige Ausgaben für neue Halbleiteranlagen. Technologieunternehmen investieren Milliarden in gigantische KI-Rechenzentren.

Die entscheidende Frage: Auftragsbestand oder Investitionsstopp

Das zentrale Thema für ASML betrifft die künftigen Budgets der Kunden. Große Technologiekonzerne weisen aktuell einen kombinierten Auftragsbestand von 2,1 Billionen US-Dollar auf. Fließt dieses massive Volumen bald in feste Bestellungen für ASML-Lithografiesysteme?

Der Widerstand des Marktes wächst. Analysten hinterfragen zunehmend die fehlenden Renditen aus der teuren KI-Infrastruktur. Ein Stimmungsumschwung könnte die Budgets massiv drosseln. Dann droht ein plötzlicher Stopp bei der Beschaffung neuer Ausrüstungen.

Bullisches Szenario: Monopolstellung treibt Wachstum

Für ASML spricht die unersetzliche Rolle in der Lieferkette. Der Wechsel zu Hochleistungsspeichern verlangt moderne EUV-Systeme. ASML bedient diesen Markt als einziger Anbieter weltweit. Der technologische Vorsprung auf Konkurrenten wie Canon beträgt schätzungsweise über zehn Jahre.

Ein konkreter Auslöser für neue Aufträge ist SK Hynix. Der Konzern plant ein US-Börsendebut im Volumen von knapp 30 Milliarden Dollar. Mit den Erlösen will das Unternehmen gezielt EUV-Anlagen kaufen. So sichert SK Hynix den Ausbau seiner Speicherproduktion.

Indes erholt sich das Auftragsgeschäft von Intel. Der Chip-Riese erwartet bald große Bestellungen von Apple und Nvidia. Das vergrößert den Kundenkreis für die teuersten Lithografiemaschinen. ASML profitiert am stärksten vom Ausbau der modernsten Chip-Fabriken.

Bärisches Szenario: Bewertungsrisiken und Geopolitik

Der größte Risikofaktor bleibt eine rasche Abkühlung des KI-Booms. Experten der Bank Jefferies warnten kürzlich vor einem nahenden Ende des Investitionszyklus. Investoren strafen fehlende KI-Gewinne gnadenlos ab.

Ein Blick auf die Konkurrenz stützt diese Sorge. KLA Corp senkte kürzlich die eigene Umsatzprognose. Ein Überangebot bei Speicherchips bremste dort das Wachstum spürbar.

Kurz gesagt: ein Risiko. Die hohe Aktienbewertung von ASML verzeiht keine Fehler. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt aktuell bei 50.

Hinzu kommen geopolitische Gefahren. China erließ zum 1. Juli weitreichende Beschränkungen für ausländische Halbleiter-Investitionen. Das gefährdet den langfristigen Vertrieb auf ASMLs zweitgrößtem Absatzmarkt.

Ausblick: Szenarien für die Berichtswoche

Der Aufwärtstrend der Aktie bleibt vorerst intakt. Die Marke von 1.442 Euro bietet am 50-Tage-Durchschnitt eine wichtige Unterstützung. Hält dieses Level, winkt ein neuer Angriff auf die jüngsten Höchststände.

Der nächste entscheidende Impuls folgt in der Kalenderwoche 28. Das Management präsentiert den neuen Quartalsbericht. Aussagen zum EUV-Auftragsbestand bestimmen dann die Richtung.

Meldet ASML einen stetigen Auftragseingang, rückt das Kursziel von 2.000 Euro in Reichweite. Deuten die Zahlen jedoch auf verschobene Investitionen hin, droht eine scharfe Konsolidierung.

Der gesamte Sektor blickt ferner auf den 16. Juli 2026. Dann öffnet der Auftragsfertiger TSMC seine Bücher. Diese Ergebnisse liefern konkrete Belege für die reale globale Halbleiter-Nachfrage.