Ein Bericht über chinesische Lithografie-Konkurrenz schickte die ASML-Aktie Ende Juli auf Talfahrt. Inzwischen hat sich das Bild gedreht: Zwei große Häuser stufen den Titel positiv ein, und die jüngsten Geschäftszahlen liefern reichlich Argumente gegen die Untergangsszenarien.

Kursrutsch nach Bericht über chinesische DUV-Fertigung

Am 27. Juli brach die Aktie ein, nachdem Bloomberg berichtete, ein staatlich unterstütztes chinesisches Konsortium um Huawei und den Anlagenbauer SiCarrier habe in Shanghai mit der Fertigung von Immersions-DUV-Lithografiesystemen begonnen. Geplant seien noch in diesem Jahr fünf Systeme für heimische Chiphersteller wie SMIC. Binnen der Sitzung verlor das Papier zeitweise 8,2 Prozent und schloss zwischen 5,75 und 6,7 Prozent im Minus – der tiefste Stand seit Anfang Juni. In den beiden folgenden Tagen setzte sich der Rückgang fort, sodass ASML den Monat Juli letztlich mit einem Minus von 18 Prozent abschloss, bevor am 30. Juli eine Gegenbewegung einsetzte.

Analysten relativieren die Bedrohung

Nicht alle Marktbeobachter teilten die Panik. Analyst Didier Scemama bezeichnete die Kursschwäche noch am selben Tag als „attraktive Gelegenheit“, bekräftigte seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 2.452 Euro und rechnete vor: Selbst wenn China 2027 zwanzig heimische Anlagen erfolgreich beschaffen sollte, entspräche das einem Umsatzausfall von rund 1,4 Milliarden Euro – etwa 2,4 Prozent des von ihm erwarteten Konzernumsatzes. Für das Gesamtjahr rechnet ASML weiterhin damit, dass China rund 20 Prozent des Konzernumsatzes beisteuert, während Südkorea im zweiten Quartal mit einem Anteil von 43 Prozent zum wichtigsten Absatzmarkt aufstieg.

Am Montag setzten zwei einflussreiche Häuser positive Signale. Bernstein führte ASML als „Top Q3 Pick“ in einer aktuellen Branchenübersicht. Goldman Sachs nahm den Titel im Rahmen seines monatlichen Updates neu in die europäische Conviction List auf und begründete den Schritt mit einer verbesserten Sichtbarkeit bei den Kapazitätserweiterungen und einer robusten Auftragslage.

Starke Zahlen und angehobene Prognose stützen das Bild

Basis für die Zuversicht bilden die Geschäftszahlen, die ASML bereits Mitte Juli vorgelegt hatte. Im zweiten Quartal erzielte der niederländische Lithografie-Spezialist einen Nettoumsatz von 9,3 Milliarden Euro bei einer Bruttomarge von 54,0 Prozent und einem Nettogewinn von 2,9 Milliarden Euro. Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Nettoumsatz zwischen 11 und 12 Milliarden Euro in Aussicht. Die Jahresprognose für 2026 hob der Konzern zum zweiten Mal in diesem Jahr an: Nun sollen es zwischen 43 und 45 Milliarden Euro werden, bei einer Bruttomarge von 54 bis 56 Prozent.

Vorstandschef Christophe Fouquet begründete die Anhebung mit anhaltend starker Kundennachfrage: Die Kunden würden ihre Kapazitätspläne weiter beschleunigen, was sich „in konkreten Zusagen über das gesamte Produktportfolio“ niederschlage und dem Konzern „mehr Sichtbarkeit auf die langfristige Nachfrage“ verschaffe. Für 2027 plant ASML, seine Kapazität bei Low-NA-EUV- und DUV-Immersionsanlagen um rund 30 Prozent zu steigern, ausgehend von etwa 65 EUV- und 130 DUV-Systemen im laufenden Jahr. Für 2028 prüft der Konzern einen weiteren Ausbau in ähnlicher Größenordnung. Auch Großkunden wie TSMC meldeten zuletzt deutlich steigende Umsätze, was die Nachfrage nach Lithografie-Systemen zusätzlich stützt.

Kapitalrückführung und Ausblick

Parallel zu den Prognosen untermauerte ASML sein Vertrauen mit Kapitalrückführungen. Am Mittwoch zahlte der Konzern die angekündigte Zwischendividende von 1,88 Euro pro Aktie aus. Im zweiten Quartal hatte das Unternehmen bereits rund 1,1 Milliarden Euro im Rahmen seines Aktienrückkaufprogramms für die Jahre 2026 bis 2028 investiert, weitere Rückkauftransaktionen meldete es zuletzt am Montag.

An der Börse spiegelt sich die Gegenbewegung längst wider: Binnen einer Woche legte die Aktie um 5,94 Prozent zu und schloss am Freitag bei 1.508,20 Euro. Seit Jahresbeginn steht damit ein Plus von 63,67 Prozent, auch wenn der Titel von seinem Rekordhoch der vergangenen Wochen noch spürbar entfernt bleibt. Der nächste Quartalsbericht ist für den 14. Oktober angesetzt, bevor sich der Blick auf den von Fouquet bereits angekündigten Capital Markets Day am 10. Juni 2027 richtet.