Der Ausblick von Lam Research hat am Donnerstag auch ASML belastet. Auslöser des branchenweiten Ausverkaufs waren Medienberichten zufolge Lieferbeschränkungen beim Ausrüster, nicht eine gemeldete Nachfrageschwäche. Für ASML rückt damit die Frage in den Vordergrund, wie schnell sich das hohe Kundeninteresse tatsächlich in ausgelieferte Maschinen übersetzen lässt.
Nachfrage reicht weit voraus
Reuters berichtete am 14. Oktober, dass Kunden bereits Bestellungen für fortschrittliche Chipfertigungsanlagen für 2029 und 2030 ins Auge fassten. Das stützt die Einschätzung einer robusten Nachfrage im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz. Solches Interesse ist allerdings nicht mit bereits verbuchten Aufträgen gleichzusetzen.
Diese Unterscheidung ist für Anleger wesentlich: Ein langer Planungshorizont spricht für anhaltenden Investitionsbedarf. Er beantwortet aber noch nicht die Frage, wann ASML die benötigten Anlagen bereitstellen kann. Die jüngste Branchenreaktion zeigt, wie empfindlich der Markt auf Einschränkungen bei der Umsetzung reagiert.
ASML erklärte vor rund zwei Wochen, dass die geplanten Lieferkapazitäten für 2027 und 2028 die Kundennachfrage nicht vollständig decken würden. Das Unternehmen prüft deshalb, ob sich die Kapazität über die zuvor kommunizierte Erhöhung um 30 Prozent hinaus ausbauen lässt.
Kapazitätsausbau braucht Zeit
Entscheidend ist dabei nicht allein das Ausmaß einer möglichen Erweiterung, sondern deren Zeitpunkt. Ein zusätzlicher Ausbau hilft kurzfristig nur dann, wenn die Anlagen auch rechtzeitig verfügbar werden. Die Prüfung weiterer Möglichkeiten ist deshalb noch keine Zusage zusätzlicher Lieferungen.
Finanzvorstand Roger Dassen erklärte einem Medienbericht vom 14. Oktober zufolge, zusätzliche Kapazität sei realistischerweise ab 2029 statt schon 2028 zu erwarten. ASML arbeite daran, nicht selbst zum Engpass in der Chip-Lieferkette zu werden.
Das steht nicht im Widerspruch zur laufenden Suche nach weiteren Ausbaumöglichkeiten. Es begrenzt aber die Erwartung, dass sich die Lücke zwischen Nachfrage und Lieferfähigkeit rasch schließen lässt. Für die Bewertung zählt damit neben dem Kundeninteresse auch die praktische Umsetzung.
Starke Ergebnisse lösen den Engpass nicht
Mit den vor rund zwei Wochen veröffentlichten Zahlen für das dritte Quartal 2026 meldete ASML einen Umsatz von 11,7 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 5,0 Milliarden Euro.
Die Ergebnisse belegen die wirtschaftliche Stärke des Geschäfts. Sie beseitigen jedoch nicht das Kapazitätsproblem, das durch die Reaktion auf Lam Research erneut Aufmerksamkeit erhält. Der entscheidende Punkt für Anleger ist daher nicht nur, ob Kunden investieren wollen: ASML muss die hohe Nachfrage auch innerhalb der erwarteten Zeiträume bedienen können. Genau daran hängt, wie belastbar die längerfristigen Wachstumserwartungen sind.
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