Am Mittwoch legt ASML seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Die Erwartungen sind hoch, der Kurs bereits angeschlagen. Nach einem Rückgang von 3,30 Prozent binnen sieben Tagen schloss die Aktie am Freitag bei 1.574,20 Euro — ein Minus von 0,51 Prozent zum Vortag.
Der Blick auf die längere Frist zeigt trotzdem eine beeindruckende Rally. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 59,28 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von 128,94 Prozent. Vom Rekordhoch bei 1.748,00 Euro, erreicht am 30. Juni, trennen die Aktie aktuell aber fast zehn Prozent.
Was der Markt am 15. Juli sehen will
Analysten erwarten einen Quartalsumsatz zwischen 8,4 und 9 Milliarden Euro. Wichtiger als die reine Zahl dürfte der Ausblick auf 2027 sein. Der Markt will wissen, wie sich die Bestellungen für EUV-Systeme entwickeln — jene Maschinen, die moderne KI-Chips erst möglich machen.
Branchenprognosen gehen von einem kräftigen Sprung aus: von 48 ausgelieferten EUV-Systemen im Jahr 2025 auf 69 Systeme im laufenden Jahr. Parallel bringt ASML seine neue High-NA-EUV-Generation auf den Markt. Ein einzelnes Gerät kostet rund 400 Millionen Dollar und soll noch kleinere Transistorstrukturen ermöglichen.
DUV und China bleiben im Spiel
Neben der Zukunftstechnologie EUV liefert das ältere DUV-Geschäft weiter einen wichtigen Umsatzbeitrag. Chinesische Chiphersteller setzen zunehmend auf Mehrfachbelichtung mit DUV-Maschinen, um Strukturen unter 100 Nanometer zu erreichen. Das stellt die These infrage, EUV sei der einzige Weg zu modernen Chipgenerationen.
Die anhaltende DUV-Nachfrage war ein Grund, warum ASML im April die Umsatzprognose für 2026 anhob. Aus der ursprünglichen Spanne von 34 bis 39 Milliarden Euro wurde ein Korridor von 36 bis 40 Milliarden Euro. Am Mittwoch wird sich zeigen, ob die Kapazitätserweiterung mit diesem höheren Ziel Schritt hält.
Bewertung und Chartbild
Mit einer Marktkapitalisierung von 617,75 Milliarden Euro zählt ASML weiter zu den teuersten Industriewerten Europas. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei etwa 48 auf Basis der erwarteten Gewinne — ein Wert, der wenig Spielraum für Enttäuschungen lässt.
Technisch wirkt die Aktie ausgeglichen. Der 14-Tage-RSI notiert bei 51,1, ein neutraler Wert ohne klare Überkauft- oder Überverkauft-Signale. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 1.477,77 Euro besteht ein Aufschlag von 6,53 Prozent, zum 200-Tage-Durchschnitt von 1.166,58 Euro sogar von 34,94 Prozent. JPMorgan und Morgan Stanley bleiben bei ihren positiven Einschätzungen und verweisen auf die faktische Monopolstellung von ASML bei EUV-Technologie — trotz der Risiken durch mögliche neue China-Exportbeschränkungen.
Die Woche der Halbleiter-Riesen
Einen Tag nach ASML, am 16. Juli, meldet auch TSMC seine Quartalszahlen. Die beiden Berichte dürften den Ton für den gesamten Technologiesektor im weiteren Sommer setzen — schließlich handelt es sich um den wichtigsten Ausrüster und den größten Auftragsfertiger der Branche zugleich.
Besonders genau wird der Markt auf das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz schauen. Zieht die Nachfrage für 2027 spürbar an, könnte das den Impuls liefern, um die alten Höchststände nahe 1.748,00 Euro erneut anzulaufen. Schwächelt dagegen das KI-Investitionstempo der Kunden oder verschärfen sich die Handelshürden mit China, dürfte die aktuell hohe Bewertung schnell unter Druck geraten.
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