Einen Tag nach dem Allzeithoch folgte der Dämpfer. ASML schloss den Freitag mit einem Minus von 5,75 Prozent bei 1.429,40 Euro — ausgelöst durch eine breite Halbleiter-Korrektur nach schwachem Ausblick von Broadcom und einem überraschend starken US-Arbeitsmarktbericht. Das Jahresplus von knapp 45 Prozent bleibt dennoch beeindruckend.
Analysten erhöhen die Kursziele — kurz vor dem Rücksetzer
Ausgerechnet am Tag des 52-Wochen-Hochs von 1.529,80 Euro hoben BofA Securities und Barclays ihre Kursziele an. BofA kletterte von 1.710 auf 1.921 Euro und behielt das „Buy“-Rating. Barclays zog von 1.575 auf 1.900 Euro nach, mit „Overweight“. Beide Häuser verwiesen auf wachsende Nachfragesichtbarkeit bis 2028 und ASMLs Potenzial, die EUV-Produktion über bisherige Kapazitätsgrenzen hinaus auszubauen.
Einen Tag zuvor hatte JPMorgan sein Kursziel auf 2.200 Dollar erhöht — von zuvor 1.813 Dollar — und die Overweight-Einstufung bestätigt. Die Botschaft des Unternehmens sei „deutlich positiver“, hieß es in der Analystennotiz. Morgan Stanley folgte mit einer Anhebung auf 1.660 Euro von 1.400 Euro, ebenfalls Overweight.
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EUV-Kapazität: Das Herzstück der Bullenthese
Der Upgrade-Zyklus hat eine konkrete Grundlage. ASML beschleunigt seit dem vierten Quartal 2025 die Einstellung von Feldtechnikern. Zulieferer Jenoptik meldete für das erste Quartal 2026 starke Lithografie-Aufträge, neue Reinraumkapazitäten sollen 2027 in Betrieb gehen. Aalberts hat bereits Investitionen für künftiges EUV-Wachstum getätigt.
BofA prognostiziert für 2028 einen Umsatz von 58,9 Milliarden Euro, ein bereinigtes EPS von 59,54 Euro und eine Bruttomarge von 56 Prozent — gegenüber 52,6 Prozent im laufenden Jahr. Als Hauptrisiken nennt die Bank chinesische Exportbeschränkungen und eine schwächer als erwartete Investitionsdynamik im Halbleitersektor.
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CEO mahnt Brüssel zur Zurückhaltung
Abseits der Kursdebatte sorgte ASML-Chef Christophe Fouquet mit einem LinkedIn-Beitrag für Aufmerksamkeit. Er begrüßte weite Teile des neuen EU-Technologiepakets — darunter Chips Act 2.0, den Cloud and AI Development Act und eine Open-Source-Strategie — warnte aber vor zu viel Bürokratie bei der Steuerung strategischer Projekte. Solche Vorhaben „müssen grundsätzlich auf die Bedürfnisse der Industrie reagieren“ und sollten von Unternehmen selbst vorgeschlagen werden, schrieb Fouquet. Das Risiko der Überkomplizierung müsse vermieden werden.
Es sind die ersten öffentlichen Worte eines führenden europäischen Industrievertreters zu dem Paket, mit dem Brüssel den Technologierückstand gegenüber den USA und Asien schließen will.
Quartalszahlen am 15. Juli
Für das zweite Quartal 2026 erwartet ASML einen Umsatz zwischen 8,4 und 9,0 Milliarden Euro bei einer Bruttomarge von 51 bis 52 Prozent. Am 15. Juli legt das Unternehmen seine Ergebnisse vor. Dann wird sich zeigen, ob der Umsatz eher am oberen oder unteren Ende der Spanne landet — und ob der Freitagsrücksetzer tatsächlich nur eine Konsolidierung war oder der Beginn einer breiteren Neubewertung.
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