Ein Verkauf hier, ein Zukauf dort – die frisch veröffentlichten 13F-Meldungen zu ASML zeichnen auf den ersten Blick ein widersprüchliches Bild. Deepwater Asset Management hat seinen Bestand um 72,3 Prozent reduziert und nur noch 1.053 Aktien im Depot.

Gleichzeitig sind Greenwoods Asset Management Hong Kong und Sapient Capital eingestiegen, mit Zukäufen von 7.070 beziehungsweise 7.416 Aktien. Für mich ist das kein Warnsignal, sondern ein Blick auf ein Wertpapier, das nach einem historischen Lauf schlicht neu bewertet wird – von unterschiedlichen Akteuren mit unterschiedlichen Zeithorizonten.

Institutionelles Geld bleibt strukturell engagiert

Der Einzelfall Deepwater wirkt dramatisch, doch die Größenordnung relativiert sich schnell: Der verbleibende Bestand ist mit rund 2,1 Millionen US-Dollar überschaubar. Wichtiger ist der Gesamtbefund aus den Meldungen: Mehrere Institutionen haben ihre ASML-Positionen im zweiten Quartal 2026 aufgestockt, die institutionelle Eigentümerquote liegt bei 26,07 Prozent der ausstehenden Aktien.

Dass Greenwoods aus Hongkong ASML zur 13. größten Position im eigenen Portfolio macht, spricht gegen die These einer breiten Kapitalflucht aus dem Titel. Wer nach einem Kursplus von 136 Prozent binnen zwölf Monaten selektiv Gewinne mitnimmt, handelt rational – das ist kein Urteil über das Geschäftsmodell.

Und genau das Geschäftsmodell liefert derzeit wenig Anlass zur Sorge. Die vor rund einem Monat angehobene Umsatzprognose für 2026 auf 43 bis 45 Milliarden Euro steht weiterhin im Raum, getragen von einem Auftragsbestand von 38,9 Milliarden Euro und Quartalsbuchungen von 13,9 Milliarden Euro.

Seither hat die Aktie zwar rund 4,3 Prozent verloren, doch das ist angesichts der Kursdynamik der vergangenen zwölf Monate eher eine Verschnaufpause als ein Bruch.

Der eigene Rückkauf als Kontrapunkt

Während einzelne Fonds umschichten, kauft ASML selbst kontinuierlich zurück. Zwischen dem 3. und 7. August erwarb das Unternehmen an fünf Handelstagen jeweils rund 52.000 bis 55.000 Aktien, zu gewichteten Durchschnittspreisen zwischen 1.412,90 und 1.506,07 Euro. Das ist keine Randnotiz: Ein Unternehmen, das mitten in einem Bewertungssprung munter eigene Anteile einsammelt, signalisiert Vertrauen in die eigene Substanz – unabhängig davon, wie einzelne externe Fondsmanager kurzfristig disponieren.

Aktuell notiert die Aktie bei 1.511,40 Euro, nach einem Tagesverlust von 3,1 Prozent und einem Rückgang von 4,1 Prozent auf Wochensicht. Damit liegt der Kurs knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.559,60 Euro, ein Abstand von 3,1 Prozent.

Zum 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro fehlen 14 Prozent – für mich Ausdruck einer Konsolidierung nach einem außergewöhnlichen Lauf, nicht Beginn eines Abwärtstrends. Seit Jahresbeginn steht immer noch ein Plus von 64 Prozent.

Konkurrenzdruck bleibt Randthema, nicht Kernrisiko

Die Nachricht über den chinesischen Lithografie-Start-up Source Foundry, das zusätzliche 400 Millionen US-Dollar von Situational Awareness eingesammelt hat, wird gerne als Bedrohung für ASMLs EUV-Position gerahmt.

Ich sehe das nüchterner: Ein besser finanziertes Start-up ist noch keine Fertigungskapazität. ASML selbst plant, die jährliche EUV-Produktionskapazität in den Jahren 2027 und 2028 jeweils um rund 30 Prozent zu steigern – eine Ausbauschritte, die kein Wettbewerber kurzfristig kopieren kann.

Mein Fazit

Die Fondsrotation im zweiten Quartal ist Rauschen, kein Signal. Wer die Zahlen zusammenzieht – Auftragsbestand, eigener Rückkauf, Kapazitätsausbau –, erkennt ein Unternehmen, dessen fundamentale Basis breiter ist als jede einzelne 13F-Meldung suggeriert.

Die jüngste Kursschwäche lese ich als Verdauung eines außergewöhnlichen Jahres, nicht als Vertrauensverlust. Unterm Strich überwiegen für mich die Argumente für Stabilität – Volatilität und Nervosität einzelner Anleger gehören bei einem Wert mit dieser Kursgeschichte einfach dazu.