ASML profitiert von einer Kettenreaktion. Intels überraschend starke Quartalszahlen lösten am Donnerstag eine Rally bei Chip-Ausrüstern aus. Am Montag zieht die Aktie des niederländischen Lithografie-Spezialisten weiter an und klettert um 2,26 Prozent auf 1.580,60 Euro.
Der Auslöser sitzt in den USA. Intel hob sein Investitionsbudget für 2026 von 18 auf 20 Milliarden Dollar an. Der Finanzchef des Konzerns begründete den Schritt mit einer starken Kundennachfrage und kündigte an, Werkzeug-Bestellungen bei Zulieferern aggressiv zu sichern.
Intels Zahlen schlagen Erwartungen deutlich
Intel lieferte im zweiten Quartal einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 25 Prozent und liegt weit über den von Analysten erwarteten 14,5 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie kam auf 0,42 Dollar, fast doppelt so hoch wie die prognostizierten 0,22 Dollar.
Treiber war vor allem das Rechenzentrumsgeschäft. Dort sprang der Umsatz um 59 Prozent auf 6,3 Milliarden Dollar.
Direkte Lieferverbindung statt reiner Stimmungseffekt
Der Kursanstieg bei ASML ist kein reines Sentiment-Phänomen. Intel Foundry nutzt inzwischen die High-NA-EUV-Lithografiemaschinen von ASML, um Panther-Lake-Prozessoren auf Basis des 18A-Verfahrens in Serie zu fertigen. Diese Fertigungskapazität dürfte mit dazu beigetragen haben, dass Intel seine Lieferrückstände abbauen konnte.
Intel hatte zu Jahresbeginn Schwierigkeiten, die starke Nachfrage nach Computer- und Laptop-Chips zu bedienen. Mit den neuen ASML-Maschinen kann der Konzern nun mehr Chips produzieren und alte Bestellungen abarbeiten. Das verbessert wiederum die eigenen Umsatzprognosen.
Trotz der positiven Fundamentaldaten blieb die Stimmung unter Privatanlegern zunächst verhalten. Am Donnerstag stufte ein Teil der Kleinanleger ASML und vergleichbare Chip-Ausrüster weiterhin als „bearish“ ein. Ein Zeichen dafür, dass Zweifel bestehen, wie lange der aktuelle Investitionszyklus im KI-Bereich noch anhält.
Dividendenabschlag trifft auf Aufwärtstrend
Zusätzlich zur Nachrichtenlage wirkt am Montag ein technischer Effekt: ASML-Aktien notieren erstmals ohne Anspruch auf die Zwischendividende von 1,88 Euro je Aktie. Dieser übliche Kursabschlag fällt in eine Phase, in der die Aktie ohnehin kräftig zulegt.
Der Titel notiert derzeit 2,98 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 1.534,81 Euro und damit klar im Aufwärtstrend. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro, erreicht am 30. Juni, fehlen noch 9,58 Prozent. Auf Jahressicht steht ein Plus von 71,52 Prozent zu Buche – ein Wert, der die Wucht des KI-getriebenen Investitionszyklus über die gesamte Kundenbasis des Lithografie-Anbieters hinweg verdeutlicht.
Intels Ausblick für die zweite Jahreshälfte könnte den Trend bei ASML weiter stützen. Ob sich die zurückhaltende Stimmung unter Kleinanlegern angesichts der fundamentalen Daten noch dreht, bleibt vorerst offen.
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