ASML steht vor entscheidenden Wochen. Am 15. Juli präsentiert der Chipanlagenbauer seine Quartalszahlen. Die Erwartungen der Wall Street sind massiv gestiegen. Analysten überbieten sich derzeit mit neuen Kurszielen.

Der Aktienkurs spiegelt diese Euphorie wider. Seit Jahresbeginn kletterte das Papier um über 66 Prozent. Am Montag schloss die Aktie bei 1.643,80 Euro. Damit notiert der Wert nur knapp vier Prozent unter seinem Rekordhoch vom 22. Juni.

Analysten heben Ziele an

Barclays hat die Kaufempfehlung am Montag bekräftigt. Analyst Simon Coles hob das Kursziel von 1.900 auf 2.000 Euro an. Parallel dazu zogen andere Großbanken nach.

Die jüngsten Kursziele im Überblick:
– Bank of America: 2.345 US-Dollar (Kaufen)
– Wells Fargo: 2.200 US-Dollar (Übergewichten)
– JPMorgan: 2.200 US-Dollar (Kaufen)

Volle Auftragsbücher erwartet

Die Bank of America rechnet mit einem Meilenstein. Das Orderbuch für 2027 dürfte dann bereits komplett gefüllt sein. Das lenkt den Blick der Investoren auf das Gewinnpotenzial für 2028.

Das Management hat die Prognosen bereits im Vorquartal festgezurrt. Für das Gesamtjahr 2026 plant ASML einen Umsatz von bis zu 40 Milliarden Euro. Die Kapazitäten sind bei vielen Kunden bereits restlos ausverkauft. Der Konzern will in diesem Jahr mehr als 60 EUV-Systeme ausliefern.

Aktionäre profitieren direkt von dieser starken Marktstellung. ASML kaufte im ersten Quartal eigene Aktien für rund 1,1 Milliarden Euro zurück. Hinzu kommt eine geplante Dividende von 7,50 Euro je Anteilsschein für 2025.

Politische Risiken wachsen

Soweit so gut. Dennoch gibt es Störfeuer. Die niederländische Regierung trat Ende Juni der US-geführten Pax-Silica-Allianz bei. Damit drohen strengere Exportkontrollen für ältere DUV-Anlagen. Dieses Segment macht etwa ein Fünftel des geplanten Jahresumsatzes aus.

Außerdem zögern einige Großkunden bei der neuesten Technologie. Die extrem teuren High-NA-EUV-Systeme kosten bis zu 400 Millionen Euro pro Stück. Auftragsfertiger wie TSMC setzen vorerst lieber auf günstigere Alternativen bei der Chip-Verpackung.

Am 15. Juli müssen die Niederländer nun liefern. Ein starker Auftragseingang ist Pflicht, um die hohe Bewertung zu rechtfertigen. Hält die Nachfrage an, dürfte die Aktie das jüngste Rekordhoch schnell wieder ins Visier nehmen.