Zwei Studienergebnisse, ein Handelstag — bei Astrazeneca zeigt sich heute, wie unterschiedlich die eigene Pipeline ausfallen kann. Während ein neuer Antikörper-Wirkstoff bei Magenkrebs positiv überrascht, verfehlt ein etabliertes Medikament bei einer seltenen Bluterkrankung sein Hauptziel. Passend dazu meldet der Konzern heute auch seine Halbjahreszahlen.
Sonesitatug vedotin überzeugt bei Magenkrebs
Die Phase-III-Studie CLARITY-Gastric01 liefert für Astrazeneca einen handfesten Erfolg. Der Antikörper-Wirkstoff-Konjugat-Kandidat Sonesitatug vedotin (Sone-Ve) verbesserte das Gesamtüberleben bei Patienten mit fortgeschrittenem, CLDN18.2-positivem Magen- beziehungsweise Magen-Speiseröhren-Übergangskrebs statistisch signifikant und klinisch relevant. Getestet wurde der Wirkstoff in der zweiten und späteren Behandlungslinie gegen die bisherige Standardtherapie.
Bemerkenswert ist der Umfang der potenziellen Zielgruppe: Die Daten öffnen die Tür, den Schwellenwert für CLDN18.2-Positivität auf 25 Prozent Expression auszuweiten. Damit könnten künftig rund 60 Prozent der Patienten in diesem Krankheitsstadium für die Therapie infrage kommen. Der zweite primäre Endpunkt, das progressionsfreie Überleben, verpasste zwar die statistische Signifikanz, zeigte aber einen positiven Trend. Für Astrazeneca ist es der erste erfolgreiche Zulassungsstudien-Readout aus dem komplett unternehmenseigenen ADC-Portfolio — ein strategisch wichtiges Signal, da der Konzern seine Onkologie-Pipeline zunehmend auf selbst entwickelte Wirkstoffe stützen will.
Ultomiris verfehlt Ziel bei Erwachsenen
Weniger erfreulich fällt das Bild bei Ultomiris aus. Die Tochtergesellschaft Alexion musste mitteilen, dass der C5-Komplementinhibitor in der Phase-III-Studie ALXN1210-TMA-313 bei Erwachsenen und Jugendlichen mit thrombotischer Mikroangiopathie nach Stammzelltransplantation den primären Endpunkt des ereignisfreien Überlebens nicht statistisch signifikant erreichte. Immerhin zeigte sich ein Trend zugunsten der Behandlung nach 26 Wochen — Gespräche mit Gesundheitsbehörden über die Einordnung dieser Daten laufen bereits.
Deutlich positiver fällt das Bild bei Kindern aus: In der parallelen Studie ALXN1210-TMA-314 erreichten 87,2 Prozent der pädiatrischen Patienten nach 26 Wochen und 73,4 Prozent nach 52 Wochen ein Gesamtüberleben. Auf Basis dieser Ergebnisse treibt Alexion nun die Zulassungsanträge für die Kinderindikation voran, während für die Erwachsenenpopulation weitere Analysen mit Real-World-Daten folgen sollen.
Beide Studienmeldungen fallen auf denselben Tag wie die Veröffentlichung der Halbjahreszahlen. Wie stark die gemischten Pipeline-Nachrichten die Reaktion auf die Geschäftszahlen überlagern, dürfte sich im Tagesverlauf zeigen — die Zulassungsanträge für Ultomiris bei Kindern und die weitere Entwicklung von Sone-Ve bleiben die nächsten konkreten Meilensteine für die Onkologie- und Seltene-Erkrankungen-Sparte des Konzerns.
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