Der britische Pharmakonzern AstraZeneca erlebte am 22. Dezember 2025 eine Achterbahnfahrt der Nachrichten. Während eine wichtige Lungenkrebsstudie scheiterte, sicherte sich das Unternehmen gleichzeitig die Rechte an einem vielversprechenden Krebsmedikament für knapp 2 Milliarden Dollar. Was überwiegt für Anleger?

Ceralasertib enttäuscht in Phase-III-Studie

Die LATIFY-Studie verfehlte ihr primäres Ziel deutlich. Die Kombination aus dem experimentellen Wirkstoff Ceralasertib und dem bereits zugelassenen Imfinzi konnte das Gesamtüberleben von Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs nicht verbessern. Die Studie richtete sich an Patienten, deren Erkrankung trotz vorheriger Immuntherapie und Chemotherapie fortgeschritten war.

Besonders bitter: Es handelte sich um eine Spätphasenstudie, in die bereits erhebliche Ressourcen geflossen waren. Immerhin gab AstraZeneca an, dass die Kombination gut vertragen wurde und keine neuen Sicherheitsbedenken auftraten. Doch was nützt Sicherheit ohne Wirksamkeit?

1,9 Milliarden Dollar für Pan-KRAS-Hoffnungsträger

Fast zeitgleich verkündete AstraZeneca einen strategischen Deal mit Jacobio Pharma. Für bis zu 1,915 Milliarden Dollar an Meilensteinzahlungen plus 100 Millionen Dollar Vorauszahlung sicherte sich der Konzern die Entwicklungs- und Vermarktungsrechte an JAB-23E73 außerhalb Chinas. In China werden beide Unternehmen gemeinsam agieren.

JAB-23E73 ist ein Pan-KRAS-Inhibitor, der mehrere KRAS-Mutationssubtypen angreifen soll. KRAS-Mutationen finden sich in rund 23 Prozent aller Krebspatienten und gelten als einer der am häufigsten veränderten Onkogene. Das macht den Wirkstoff zu einem potenziellen Blockbuster.

Frühe Signale lassen aufhorchen

Die Phase-I-Studien in China und den USA zeigen bereits erste Anzeichen von Anti-Tumor-Aktivität. AstraZeneca übernimmt nun die komplette klinische Entwicklung, regulatorische Zulassung und Vermarktung außerhalb Chinas. Jacobio konzentriert sich derweil auf weitere KRAS-Programme und seine STING-basierte Plattform.

Der Aktienkurs reagierte verhalten positiv: Am 19. Dezember 2025 schloss die Aktie an der Nasdaq bei 91,36 Dollar und stieg im nachbörslichen Handel auf 92,34 Dollar.

Strategische Weichenstellung trotz Rückschlag

Die Kombination aus gescheiterter Studie und Mega-Deal zeigt AstraZenecas Doppelstrategie: Während etablierte Entwicklungsprojekte nicht immer aufgehen, setzt der Konzern aggressiv auf externe Innovation. Die KRAS-Technologie könnte sich als Volltreffer erweisen – oder als teures Experiment. Für Anleger bleibt die Frage: Kompensiert die KRAS-Hoffnung den Ceralasertib-Ausfall?