AstraZeneca hat gestern die Bepreisung einer umfangreichen Anleihe-Emission im Gesamtwert von 2,55 Milliarden Euro abgeschlossen. Der Pharmakonzern nutzt das aktuelle Marktumfeld, um seine langfristige Finanzierungsstrategie zu festigen, während er gleichzeitig durch eine milliardenschwere Akquisition im Onkologie-Sektor und Berichte über gescheiterte Fusionsgespräche die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich zieht.

Vier Tranchen zur Stärkung der Liquidität

Die Platzierung der Eurobonds erfolgte über die Tochtergesellschaft AstraZeneca Finance LLC und gliedert sich in vier Tranchen mit Laufzeiten zwischen vier und zwölf Jahren.

Die kleinste Tranche umfasst 500 Millionen Euro mit einer Verzinsung von 3,923 % und einer Fälligkeit im September 2035. Die umfangreichste Tranche im Volumen von 750 Millionen Euro weist einen Kupon von 4,169 % auf und läuft bis September 2038. Weitere Tranchen über 700 Millionen Euro (3,402 %, fällig 2030) und 600 Millionen Euro (3,652 %, fällig 2032) vervollständigen das Paket.

Der Abschluss der Transaktion wird für den 1. September erwartet. Als Joint Bookrunner fungierten dabei die Investmentbanken Barclays, Goldman Sachs und Morgan Stanley.

Die Erlöse sollen laut Unternehmensangaben für allgemeine Geschäftszwecke verwendet werden. Dies erfolgt vor dem Hintergrund einer intensiven Phase der Pipeline-Entwicklung, nachdem der Konzern bereits vor rund zwei Wochen im Rahmen seiner Halbjahreszahlen ein Umsatzwachstum im mittleren bis hohen einstelligen Bereich für das Gesamtjahr bestätigt hatte.

Strategischer Ausbau des Onkologie-Portfolios

Parallel zur Kapitalaufnahme treibt AstraZeneca seine Expansion im Bereich der Lungenkrebs-Therapien voran. Das Unternehmen sicherte sich die globalen Rechte an dem Medikament Zegfrovy (Sunvozertinib) vom Partner Dizal Pharmaceutical.

Der Deal hat ein potenzielles Gesamtvolumen von bis zu 1,5 Milliarden US-Dollar. Davon fließen 600 Millionen US-Dollar als Vorabzahlung, während weitere 900 Millionen US-Dollar an das Erreichen klinischer Entwicklungsziele und Umsatzschwellen geknüpft sind.

Zegfrovy ist bereits in den USA und China für eine spezifische Form des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses (NSCLC) zugelassen. Daten aus der Phase-III-Studie Wu-Kong28 belegen eine Reduktion des Risikos für Krankheitsprogression oder Tod um 35 % im Vergleich zu einer herkömmlichen Chemotherapie.

Das Mittel soll das bestehende Franchise um das Blockbuster-Medikament Tagrisso ergänzen, das im vergangenen Jahr einen Umsatz von über 7 Milliarden US-Dollar generierte.

Herausforderungen und Analystenstimmen

Trotz der operativen Fortschritte notiert die Aktie derzeit bei 142,05 € und liegt damit seit Jahresbeginn rund 10 % im Minus. Ein Grund für die verhaltene Marktstimmung könnten Berichte über gescheiterte Fusionsgespräche mit dem US-Konkurrenten Bristol Myers Squibb sein.

Ein solcher Zusammenschluss hätte einen Branchenriesen mit einem Marktwert von rund 400 Milliarden US-Dollar geschaffen, kam jedoch nicht zustande. Zudem belastet die Aussicht auf eine branchenweite „Patentklippe“ ab dem Jahr 2029, die laut Medienberichten ein Umsatzrisiko von geschätzt 200 Milliarden US-Dollar für die führenden Pharmaunternehmen darstellt.

Auch rechtliche Auseinandersetzungen in den USA fordern den Konzern. So wurde am Freitag ein Antrag des Unternehmens in einem Streit um Medikamentenpreise im Bundesstaat Mississippi abgelehnt. Zudem einigte sich AstraZeneca gestern mit dem Bundesstaat Texas auf einen Vergleich in Höhe von fast 34 Millionen US-Dollar, um Vorwürfe wegen unrechtmäßiger Vermarktungspraktiken beizulegen.

Die Einschätzungen der Analysten gehen derzeit weit auseinander. Während die Experten von CICC die Beobachtung mit einer „Outperform“-Einstufung und einem Kursziel von 198 US-Dollar gestartet haben, bleibt die Deutsche Bank skeptisch.

Die dortigen Analysten bestätigten heute ihre „Sell“-Empfehlung mit einem Kursziel von 11.500 Pence. Angesichts eines Abstands von rund 22 % zum 52-Wochen-Hoch bleibt die Aktie für Anleger ein Wert, der zwischen strategischer Wachstumsambition und regulatorischen sowie marktbedingten Risiken steht.