Cathie Wood feiert die Übernahme von AtaiBeckley durch Eli Lilly als Triumph für die Aktionäre. Ihr eigener Fonds trennt sich zeitgleich von einem großen Teil seiner Position. Dieser Widerspruch treibt die Aktie gerade auf ungewöhnliche Höhen.
Das Papier notiert bei 6,35 Euro, ein Plus von 1,60 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht ein Kursgewinn von 28,02 Prozent zu Buche, binnen eines Monats hat sich der Kurs um 79,38 Prozent aufgebläht. Der RSI-Wert von 75,7 signalisiert eine deutlich überkaufte Aktie.
Lob und Verkauf zur gleichen Zeit
ARK-Invest-Gründerin Cathie Wood nannte die 3,8-Milliarden-Dollar-Übernahme durch Eli Lilly am Sonntag einen „wohlverdienten“ Erfolg für die Aktionäre. Auf der Plattform X bezeichnete sie den Deal als Bestätigung der psychedelischen Vision von AtaiBeckley-Mitgründer Christian Angermayer. Seine Arbeit sei „einer der größten Katalysatoren der psychedelischen Renaissance“ gewesen, so Wood. Klinische Studien würden das Potenzial von Psychedelika bei therapieresistenten Depressionen, posttraumatischen Belastungsstörungen und weiteren psychischen Erkrankungen zunehmend bestätigen.
Während Wood öffentlich jubelte, verkaufte ihr eigener Fonds ARKG in der Vorwoche 1,12 Millionen AtaiBeckley-Aktien. Am Freitag hielt der Fonds noch 3,19 Millionen Aktien im Wert von 22,78 Millionen Dollar, das entspricht 1,4 Prozent des Fondsvolumens. Zu Wochenbeginn reduzierte ARK die Position um weitere 719.543 Aktien. Ein möglicher Grund: klinische Fortschritte bei den Depressionsbehandlungen, die hinter den Erwartungen zurückblieben.
Bemerkenswert ist, wohin das Geld fließt. Lilly selbst zählte zuletzt mit 61.258 Aktien im Wert von 71,62 Millionen Dollar und einer Gewichtung von 4,4 Prozent zu den größten Positionen im ARKG-Fonds. Die Verkäufe bei AtaiBeckley könnten also direkt in den Käufer der eigenen Beteiligung fließen.
Deal-Konditionen und juristische Prüfungen
Die Übernahmebedingungen sind klar umrissen. Aktionäre erhalten 6,75 Dollar in bar je Aktie. Lilly zahlt davon 2,8 Milliarden Dollar bei Vollzug der Transaktion, eine weitere Milliarde Dollar ist an künftige Meilensteine gebunden. Beide Unternehmen peilen den Abschluss im dritten Quartal 2026 an.
Mehrere Kanzleien für Aktionärsrechte prüfen inzwischen den Deal. Ademi LLP untersucht mögliche Verstöße gegen die Treuepflicht des Vorstands. Im Zentrum steht die Frage, ob die Vereinbarung konkurrierende Übernahmeangebote durch hohe Vertragsstrafen unfair erschwert.
Halper Sadeh LLC verfolgt einen ähnlichen Ansatz. Die Kanzlei prüft, ob der Vorstand den bestmöglichen Preis erzielt und alle wesentlichen Informationen offengelegt hat. Eine dritte Untersuchung durch Kahn Swick & Foti geht der Frage nach, ob die Vergütung das Unternehmen unter Wert verkauft.
Zusätzlich zu den 6,75 Dollar in bar erhalten Aktionäre bedingte Wertrechte im Wert von bis zu 2,50 Dollar je Aktie. Diese Contingent Value Rights hängen an künftigen klinischen und regulatorischen Erfolgen der Wirkstoffkandidaten BPL-003 und VLS-01.
Größter Aktionär stützt den Deal
Trotz der juristischen Prüfungen steht der größte Anteilseigner fest hinter der Transaktion. Apeiron Investment Group, verbundene Fonds und Christian Angermayer selbst haben nach der Fusionsvereinbarung vom 15. Juli 2026 ihre Stimmrechtsvereinbarung angepasst. Sie verpflichten sich, alle Anteile für die Übernahme zu stimmen und die Aktien bis zum Abschluss nicht zu übertragen, abgesehen von wenigen Ausnahmen.
Ausblick
Der Kurs nähert sich mit 6,35 Euro dem 52-Wochen-Hoch von 7,85 Euro, erreicht am 16. Juli 2026. Ein Großteil der Übernahmeprämie scheint damit bereits eingepreist. Die verbleibende Differenz zum Barangebot von Lilly spiegelt vor allem die Marktbewertung der bedingten Wertrechte wider – gekoppelt an den Zeitplan bis zum Abschluss und die noch ausstehende Aktionärsabstimmung.
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