Jahrelang hat Aurubis gebaut. Jetzt kommt die Rechnung — und sie sieht gut aus. Gleich drei Milliarden-Projekte treten nahezu gleichzeitig in die Ertragsphase, während Kupferpreise auf Rekordniveau notieren und US-Zölle Importkonkurrenten belasten.
Drei Großprojekte, ein Zeitfenster
Im Zentrum steht das neue US-Werk in Richmond, Georgia. Seit Januar 2026 in Betrieb, verarbeitet die Anlage komplexe Recyclingmaterialien wie Leiterplatten und Kupferkabel. Rund 740 Millionen Euro hat Aurubis investiert — ab dem Geschäftsjahr 2026/27 soll das Werk ein operatives EBITDA von rund 170 Millionen Euro liefern, bei voller Auslastung von 180.000 Tonnen jährlich.
In Hamburg läuft parallel das Projekt Complex Recycling Hamburg, das im ersten Halbjahr 2026 in Betrieb gehen soll. Es erweitert die Kapazitäten um rund 30.000 Tonnen zusätzliches Recyclingmaterial pro Jahr. Als drittes Großprojekt folgt Bulgarien: Der Ausbau der Kupferelektrolyse soll die dortige Kapazität in der zweiten Jahreshälfte 2026 um rund 50 Prozent auf 340.000 Tonnen steigern.
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Vom gesamten Wachstumsprogramm über 1,7 Milliarden Euro hat Aurubis bereits rund 80 Prozent investiert. Die Bauphase ist damit weitgehend abgeschlossen.
US-Zölle als unerwarteter Rückenwind
Am 6. April 2026 traten verschärfte Section-232-Zölle in Kraft — nun auf den vollen Zollwert importierter Kupferprodukte. Importkonkurrenten zahlen deutlich mehr. Aurubis produziert in Richmond lokal und bleibt verschont. Der Zeitpunkt der US-Investition erweist sich damit als strategisch günstig.
Hinzu kommt das Kupferpreisumfeld. Der LME-Spotpreis notiert bei 12.880 US-Dollar je Tonne, Kupfer hatte Ende April in Euro ein neues Allzeithoch markiert. Die europäische Kathoden-Prämie für 2026 kletterte auf ein Rekordniveau von 315 US-Dollar pro Tonne — ein weiterer Margentreiber.
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Prognose angehoben, Aktie nahe Allzeithoch
Das Preisumfeld und die starke Nachfrage veranlassten Aurubis, die Jahresprognose anzuheben. Das operative EBT für 2025/26 soll nun zwischen 375 und 475 Millionen Euro liegen — zuvor waren 300 bis 400 Millionen Euro angepeilt.
Die Aktie spiegelt die Erwartungen wider: Mit einem Plus von rund 46 Prozent seit Jahresbeginn und einem aktuellen Kurs von 185,40 Euro notiert sie nur knapp unter dem 52-Wochen-Hoch von 192,60 Euro. Das ist kein Wunder — der Markt preist den Übergang vom Investitions- in den Ertragsmodus bereits ein.
Ob dieser Übergang reibungslos verläuft, werden die nächsten Quartalszahlen zeigen. Im Fokus steht vor allem der Hochlauf in Richmond und Hamburg — und ob die erhöhte Prognose von bis zu 475 Millionen Euro operativem EBT Bestand hat.
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