Bei Aurubis stehen höheren Kupferprämien vorsichtigere Gewinnerwartungen gegenüber. Kepler Cheuvreux senkte am Dienstag das Kursziel von 196 auf 164 Euro und beließ die Empfehlung auf „Hold“. Die zentrale Frage für Anleger lautet damit nicht allein, welche Preise Aurubis durchsetzen kann. Entscheidend ist auch, wie sich der Hochlauf des Werks in Richmond auf die erwarteten Ergebnisse auswirkt.
Zwei Kurszielsenkungen setzen den Rahmen
Die Bewertung wird von mehreren Seiten zurückgenommen. Neben Kepler Cheuvreux korrigierte gestern auch Deutsche Bank Research ihre Erwartungen. Beide Häuser verbanden ihre niedrigeren Kursziele nicht mit einer Kaufempfehlung.
Die Deutsche Bank reduzierte ihr Kursziel auf 169 Euro und beließ die Einstufung auf „Hold“. Analyst Bastian Synagowitz verwies auf den anspruchsvolleren Hochlauf in Richmond. Zugleich senkte er seine Vorsteuergewinnprognosen für 2026 und 2027.
Damit betrifft die vorsichtigere Einschätzung nicht nur die Bewertung der Aktie. Sie reicht bis in die erwartete operative Entwicklung hinein. Die unveränderten Halteempfehlungen sollten deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, dass beide Häuser ihre Zielmarken zurückgenommen haben.
Zusätzlichen Druck brachten am Dienstag Nachrichten aus dem Bergbau. BHP Group und Anglo American meldeten in ihren Zwischenberichten eine rückläufige Kupferproduktion. Nach einem Bericht von dpa-AFX litt Aurubis am selben Handelstag unter diesen Meldungen.
Höhere Prämie ist kein Gewinnausweis
Einen Gegenpol bildet die vor gut einer Woche gemeldete europäische Kupferprämie. Laut von Reuters zitierten Quellen setzte Aurubis sie für Lieferverträge 2027 auf den Rekordwert von 347 US-Dollar je Tonne fest. Das entspricht einem Aufschlag von rund 10 %.
Für die Einordnung ist die Trennung wichtig: Eine höhere Prämie für Lieferverträge ist noch kein ausgewiesener Gewinn. Die gesenkten Prognosen der Deutschen Bank zeigen zugleich, dass die Preisnachricht die Bedenken zum Hochlauf in Richmond nicht ausgeräumt hat.
Daneben steht die angekündigte automatisierte Vorverarbeitungs- und Sortieranlage in Hamburg. Sie soll Ende 2028 in Betrieb gehen und kupfer- sowie edelmetallhaltige Zwischenprodukte präziser trennen und bewerten.
Der Termin macht die unterschiedliche zeitliche Reichweite deutlich: Die Anlage ist ein längerfristiges Vorhaben. Für die nähere Ergebniseinschätzung stehen dagegen die reduzierten Prognosen und der anspruchsvollere Hochlauf in Richmond im Vordergrund. Die Rekordprämie allein liefert deshalb noch kein umfassendes Bild der Ertragsperspektiven.
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