Der Hamburger Kupferkonzern Aurubis blickt nach einem starken dritten Quartal optimistischer auf das Gesamtjahr und peilt nun das obere Ende seiner Gewinnprognose an. Während das operative Geschäft von hohen Metallpreisen und einer starken Nachfrage nach Schwefelsäure profitierte, trüben Verzögerungen beim strategisch wichtigen Wachstumsprojekt in den USA die Stimmung am Kapitalmarkt.

Operative Stärke durch hohe Metallpreise

Am 6. August legte das Unternehmen Zahlen vor, die eine deutliche Steigerung der Profitabilität belegen. Das operative Ergebnis vor Steuern (EBT) kletterte im dritten Quartal auf 149 Millionen Euro, was mehr als einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahreswert von 57 Millionen Euro entspricht. Auf Sicht von neun Monaten erzielte Aurubis ein operatives EBT von 374 Millionen Euro und lag damit rund 31 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Der Umsatz stieg im Berichtsquartal um 40 Prozent auf 6,45 Milliarden Euro.

Als wesentliche Treiber dieser Entwicklung gelten gestiegene Kupfer- und Edelmetallpreise. Besonders kräftige Zuwächse verzeichnete der Konzern bei Schwefelsäure, deren Preise aufgrund von Exportbeschränkungen in China und Engpässen im Mittleren Osten auf 750 Prozent des Basiswerts von September 2023 kletterten.

Zudem konnte das Unternehmen das Recycling-Volumen steigern. Vor diesem Hintergrund bestätigte der Vorstand die Jahresprognose eines operativen EBT zwischen 425 und 525 Millionen Euro, wobei nun das obere Ende dieses Korridors angestrebt wird.

Verzögerungen beim US-Wachstumsprojekt

Während die Expansion in Europa voranschreitet, kämpft Aurubis mit den Zeitplänen im US-Markt. Das Projekt „Complex Recycling Hamburg“ wurde im Juli erfolgreich in Betrieb genommen und befindet sich nun in der Hochlaufphase. In Bulgarien steht zudem eine Erweiterung des Tankhauses an, die die Kapazität für raffiniertes Kupfer schrittweise auf jährlich 340.000 Tonnen erhöhen soll.

Gegensätzliche Signale kommen hingegen aus dem US-Bundesstaat Georgia. Der Hochlauf des neuen Werks Aurubis Richmond verzögert sich um etwa sechs Monate. Phase 1 soll nun erst im Geschäftsjahr 2026/27 die volle Kapazität erreichen, gefolgt von Phase 2 im darauffolgenden Jahr. Das Unternehmen begründete diesen Schritt mit einer unter den Erwartungen liegenden Qualität und Menge des lokal verfügbaren Recyclingmaterials.

Analysten loben operative Widerstandsfähigkeit

Die Marktreaktion auf die Nachrichten am 6. August war zunächst von Gewinnmitnahmen geprägt, wobei die Aktie Medienberichten zufolge um rund 6,5 Prozent nachgab. Anleger gewichteten die Unsicherheiten in den USA zeitweise schwerer als die starken Quartalszahlen. Dennoch weist das Papier seit Jahresbeginn ein Plus von 36 Prozent auf. Gestern schloss der Wert bei 168,00 Euro und notiert damit etwa 25 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch, das am 4. Juni markiert wurde.

Analysten bewerten die fundamentale Lage weitgehend positiv. Dirk Schlamp von der DZ Bank bescheinigte Aurubis am 6. August eine hohe operative Widerstandsfähigkeit.

Stefan Augustin vom Analysehaus Warburg Research lobte am selben Tag die Geschäftsentwicklung, bezeichnete die verlängerte Hochlaufphase in den USA jedoch als Enttäuschung. Marktbeobachter hoben nach den starken Quartalszahlen zudem ihre Gewinnerwartungen je Aktie für das laufende Geschäftsjahr an.