Ein Zwischenbericht des Gebrauchtwagenhändlers vor den anstehenden Quartalszahlen hat am Markt für Ernüchterung gesorgt. Nach einem sogenannten Pre-Close-Call passten mehrere Analysehäuser ihre Erwartungen für die AUTO1 Group nach unten an. Im gestrigen Handel rutschte die Aktie um 3,7 Prozent auf 15,79 Euro ab und fand sich am Ende des MDAX wieder.

Die Skepsis der Marktbeobachter entzündet sich vor allem an der Frage, ob das Unternehmen das erhoffte Tempo in den kommenden Quartalen tatsächlich halten kann. Seit Jahresanfang summiert sich der Kursverlust der Aktie inzwischen auf 42 Prozent.

Analysten fordern Belege für Wachstumsbeschleunigung

Im Zentrum der vorsichtigeren Einschätzungen steht der Ausblick auf das Schlussquartal und das kommende Geschäftsjahr. UBS-Analyst Jo Barnet-Lamb betonte, dass AUTO1 die erwartete Geschäfts- und Wachstumsbeschleunigung im vierten Quartal 2026 sowie bis 2027 erst noch belegen müsse.

Nur so könne das Vertrauen in den Wachstumspfad zurückgewonnen werden. Vor diesem Hintergrund reduzierte die Schweizer Großbank ihr Kursziel von 35,10 auf 30,30 Euro, behielt ihre Kaufempfehlung jedoch bei.

Auch Goldman Sachs reagierte auf die neuen Signale aus dem Unternehmen. Das US-Institut senkte seine Schätzungen für das bereinigte EBITDA in den Jahren 2026 und 2027. Zwar stuften die Experten die Aktie weiterhin mit einer Kaufempfehlung ein, kappten das Zwölfmonatsziel jedoch von 37 auf 32 Euro.

Weitere Branchenbeobachter schlossen sich den Kürzungen an und passten ihre operativen Zielmarken über eine Spanne von 30 bis 34 Euro ebenfalls nach unten an.

Druck auf Gebrauchtwagenpreise belastet

Als wesentliche Belastung für das laufende dritte Quartal gelten niedrigere Absatzerwartungen und geringere Roherträge pro verkauftem Fahrzeug. Der unternehmenseigene Preisindex verdeutlicht diesen Trend: Ende September lag der AUTO1 Group Price Index um 5,2 Prozent unter dem Stand des zweiten Quartals.

Zwar konnte das Unternehmen im Vorquartal noch kräftige Zuwächse vorweisen – mit 240.298 verkauften Fahrzeugen und einem Umsatzplus von 23,4 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro –, doch das schwindende Preisniveau trübt die kurzfristigen Margenaussichten.

Zusätzliche Unruhe brachte die Führungsetage: Nach dem Rücktritt des Finanzvorstands vor gut drei Wochen hat Vorstandschef Christian Bertermann das Finanzressort vorübergehend übernommen. Die bevorstehenden Quartalszahlen dürften nun darüber entscheiden, ob die herabgesetzten Prognosen der Analysten ausreichen oder ob weitere Korrekturen drohen.