Ein Kapitalmarkttag, der es in sich hat. AUTO1 Group hat heute erstmals detaillierte Stückmargen-Ziele für seine beiden Kernbereiche offengelegt — und die Aktie quittierte das mit einem Kurssprung von rund zehn Prozent auf über 25 Euro.
Was die Zahlen zeigen
Das Retail-Segment trägt die ambitioniertesten Versprechen. Langfristig peilt AUTO1 hier ein jährliches Volumenwachstum von 20 bis 40 Prozent an — ausgehend von gut 101.000 verkauften Fahrzeugen in 2025 soll der nächste Meilenstein bei 300.000 Einheiten liegen. Entscheidend dabei: Das Retail-Geschäft schrieb 2025 noch Verluste von 410 Euro je Auto. Beim Meilenstein-Ziel soll daraus ein bereinigtes EBITDA von mindestens 800 Euro je Fahrzeug werden.
Das Merchant-Geschäft wächst gesetzter. Zehn bis 15 Prozent jährliches Volumenwachstum sind das Ziel, mit einem Meilenstein bei 1,2 Millionen Fahrzeugen — nach gut 740.000 Einheiten in 2025. Beim Bruttogewinn je Auto will man langfristig 1.080 bis 1.200 Euro erzielen; 2025 waren es 976 Euro.
Das übergeordnete Zwischenziel: 1,5 Millionen verkaufte Fahrzeuge insgesamt. Das entspräche fast einer Verdopplung gegenüber den gut 842.000 Einheiten aus 2025.
Warum der Markt so reagiert
Analysten hatten genau diese Offenlegung seit Längerem als Katalysator für eine Neubewertung der Aktie identifiziert. Erstmals liegen nun segmentspezifische Stückökonomien auf dem Tisch — eine Basis, auf der Investoren die Profitabilitätsdynamik beider Geschäftsmodelle eigenständig modellieren können.
Das Timing kommt hinzu: Nach einem Rückgang von mehr als fünf Prozent am Dienstag wirkte der heutige Anstieg teilweise als Erholung — verstärkt durch die positive Aufnahme der Capital-Markets-Day-Inhalte. Der DAX selbst notierte nahezu unverändert, der Kursgewinn ist also fast vollständig unternehmensspezifisch.
Die 2026er-Prognose steht weiterhin: 940.000 bis eine Million Fahrzeuge, ein Bruttogewinn von 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBITDA zwischen 250 und 275 Millionen Euro. CEO Christian Bertermann sprach von einem der größten und fragmentiertesten Märkte weltweit — und dem Potenzial, das AUTO1 nach vierzehn Jahren Plattformaufbau jetzt abschöpfen will.
Das 52-Wochen-Hoch bei 31,50 Euro liegt noch ein gutes Stück entfernt. Wie schnell der Weg dorthin führt, hängt davon ab, ob das Retail-Segment seinen Schwenk in die Gewinnzone in den kommenden Quartalen tatsächlich unter Beweis stellt.
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