Starke Marge, bestätigte Prognose, trotzdem rote Zahlen im Kurs: Bei AUTO1 klaffen Geschäftszahlen und Börsenreaktion auseinander. Der Gebrauchtwagenhändler meldet für das dritte Quartal das profitabelste in seiner Firmengeschichte. Die Aktie verlor dennoch zeitweise fast neun Prozent.
Profitabilität schlägt Erwartungen
Der Fahrzeugabsatz stieg um elf Prozent auf rund 242.800 Einheiten. Der Umsatz legte um gut zehn Prozent auf 2,35 Milliarden Euro zu, lag damit aber unter den erwarteten 2,42 Milliarden Euro. Genau dort setzte die Kritik an.
Operativ lief es besser als gedacht. Das bereinigte EBITDA sprang um 46 Prozent auf knapp 76 Millionen Euro, der Konsens lag bei 74,4 Millionen. Der Überschuss verdoppelte sich nahezu auf 37,3 Millionen Euro, erwartet waren 36 Millionen.
Treiber ist das neue Handelssystem, das inzwischen in beiden Geschäftsbereichen läuft. Der Bruttogewinn je Fahrzeug stieg um 4,9 Prozent auf 1.234 Euro, bei gleichzeitig kontrollierten Kosten, wie CEO Christian Bertermann betonte.
Im Händlergeschäft erreichte AUTO1 gut 1.000 Euro je Fahrzeug, ein Rekord. Die Retail-Plattform Autohero kam auf 2.777 Euro. Das Privatkundengeschäft wächst besonders dynamisch, macht am Gesamtabsatz bisher aber nur einen kleinen Teil aus.
Prognose bestätigt, Erwartungen hoch
Für 2026 hält der Konzern an seinen Zielen fest. Der Absatz soll bei 940.000 bis einer Million Fahrzeugen liegen, der Bruttogewinn bei 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro.
Beim bereinigten EBITDA peilt AUTO1 250 bis 275 Millionen Euro an. Nach neun Monaten stehen knapp 732.000 Fahrzeuge und 194 Millionen Euro EBITDA zu Buche.
Warum also der Abschlag? Jefferies-Branchenexperte Giles Thorne verweist darauf, dass die Analystenschätzungen durchweg am oberen Ende der Unternehmensziele liegen. Wer so hohe Erwartungen eingepreist hat, bestraft schon einen leichten Umsatzdämpfer. Eine unveränderte statt angehobene Prognose dürfte hinzukommen, das ist allerdings Interpretation.
Kursbild
Am Vormittag notierte die Aktie bei 17,53 Euro, ein Minus von 2,3 Prozent, und gehörte zu den größten MDAX-Verlierern. Seit Jahresbeginn hat das Papier mehr als ein Drittel an Wert eingebüßt. Der starke dritte Quartalsgewinn änderte daran zunächst nichts.
Um die Prognose zu erreichen, muss AUTO1 im Schlussquartal noch gut 200.000 Fahrzeuge verkaufen. Zahlen dazu legt der Konzern mit den Jahresergebnissen vor.
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