Am 20. August präsentierte AXT auf der 7. Needham Virtual Semiconductor & SemiCap 1×1 Conference – eigentlich ein Termin, der die Wachstumsstory des Indiumphosphid-Herstellers unterstreichen sollte. Stattdessen ist der Kurs seither weiter unter Druck geraten. Für mich zeigt das ein zentrales Problem: Die operative Substanz von AXT und die Wahrnehmung an der Börse laufen derzeit auseinander.
Dabei sind die fundamentalen Fakten kaum zu bestreiten. Im zweiten Quartal 2026 meldete AXT einen Rekordumsatz von 47,6 Millionen Dollar, ein Plus von 77 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 164 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die non-GAAP-Bruttomarge sprang von 29,9 auf 45,0 Prozent, das Unternehmen kehrte mit 11,9 Millionen Dollar non-GAAP-Nettogewinn in die Gewinnzone zurück. Wer eine reine Zahlenbetrachtung anstellt, müsste bei diesen Werten eigentlich zuversichtlich sein.
Verträge mit Substanz, aber die Aktie glaubt es nicht
Was die Needham-Präsentation in den Fokus rückte, ist die AI-Data-Center-Exposition von AXT. Genau hier liegt für mich der eigentliche Kern der Geschichte: Ende Juli unterzeichnete AXT langfristige Lieferverträge mit Coherent und dem chinesischen Unternehmen Casella, inklusive Vorauszahlungen von 22,3 respektive 25,4 Millionen Dollar.
Lumentum sicherte sich Waferkapazitäten mit einer ersten von zwei Anzahlungen über 43,5 Millionen Dollar. Das sind keine Absichtserklärungen, sondern bilanzwirksame Vorleistungen von Kunden, die auf Jahre hinaus Kapazität reservieren wollen.
Das Unternehmen selbst untermauert diese Zuversicht mit ambitionierten Zielen: Bis Jahresende soll die vierteljährliche Indiumphosphid-Kapazität auf rund 60 Millionen Dollar steigen, zuvor lag das Ziel bei 35 bis 40 Millionen Dollar. Für 2027 plant AXT eine weitere Verdopplung auf etwa 130 Millionen Dollar pro Quartal. Sollte das gelingen, wäre die aktuelle Marktkapitalisierung von 3,31 Milliarden Euro aus meiner Sicht keineswegs überzogen.
Doch der Markt bewertet diese Aussichten seit Wochen mit wachsender Skepsis. Der Kurs steht bei 48,70 Euro und damit 12 Prozent unter dem Schlusskurs vom Montag – ein Rückgang, der sich in den fortgesetzten Abgaben der vergangenen Woche einreiht. Zum 50-Tage-Durchschnitt beträgt der Abstand mittlerweile 12 Prozent nach unten, ein Signal, dass selbst kurzfristig orientierte Anleger die Story derzeit nicht mehr goutieren.
Sektor-Sorgen überlagern die Einzelwert-Geschichte
Ein Teil der Erklärung liegt außerhalb von AXT selbst. Ende August fiel die Aktie im Zuge einer breiten Gewinnmitnahmewelle in der gesamten Indiumphosphid-Lieferkette – Lumentum, Coherent und Applied Optoelectronics gaben am selben Tag ähnlich deutlich nach. Das spricht dafür, dass ein Großteil der jüngsten Schwäche sektorgetrieben ist und nicht auf neuen, negativen Unternehmensnachrichten zu AXT beruht.
Trotzdem bleibt für mich ein Störgefühl: Die Einführung gehebelter Short-Produkte auf AXT durch Tradr ETFs Mitte August signalisiert, dass zumindest ein Teil der Marktteilnehmer aktiv auf fallende Kurse setzt – ein Kontrastprogramm zur fundamentalen Wachstumsstory.
Auch die laufende strategische Neuausrichtung der chinesischen Tochter Tongmei, die ihren Börsengang am STAR Market zurückgezogen hat und nun einen Umweg über Hongkong plant, dürfte manchen Anlegern als zusätzliches Risiko erscheinen, selbst wenn operative Auswirkungen bislang nicht erkennbar sind.
Fazit
Unterm Strich sehe ich bei AXT eine klassische Diskrepanz zwischen Story und Kursverlauf. Die Auftragslage, die Kundenvorauszahlungen und die eigenen Kapazitätsziele des Unternehmens sprechen für eine intakte strukturelle Wachstumsgeschichte im Bereich AI-Optik.
Die Marktreaktion der vergangenen Wochen liest sich dagegen wie eine Neubewertung des Risikos, das mit einer extrem volatilen, stark gehebelten und sektorabhängigen Aktie einhergeht. Für mich überwiegt derzeit die Frage, wie viel von der 2027er-Fantasie bereits eingepreist war, bevor der Ausverkauf begann – eine Antwort, die der Markt in den kommenden Wochen erst noch finden muss.
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