Ballard Power Systems hat seine Lieferverträge grundlegend umgebaut, um sich gegen drohende Zölle, Währungsschwankungen und Inflation abzusichern. Diese harte Verhandlungslinie verschob zwar einige Auftragsverkündungen in das Jahr 2026, liefert nun aber handfeste Ergebnisse. Nach einer langen Durststrecke verzeichnet der kanadische Brennstoffzellen-Hersteller erstmals seit einem Jahrzehnt wieder einen positiven operativen Cashflow.

Margensprung dank neuer Verträge

Hinter der finanziellen Erholung steht ein bewusster Strategiewechsel. Das Management hat die Preisstrukturen angepasst und Schutzklauseln gegen die Volatilität bei Edelmetallen integriert. Kunden akzeptierten diese Bedingungen, da sie mit ähnlichen Kostendrücken kämpfen. Das Resultat dieser verbesserten Vertragsebene zeigte sich deutlich in der Bilanz für das Geschäftsjahr 2025.

Der Umsatz kletterte im Jahresvergleich um 43 Prozent auf 99,4 Millionen US-Dollar. Viel entscheidender für die Profitabilität war jedoch die Entwicklung der Bruttomarge. Während diese 2024 noch tief im negativen Bereich lag, erreichte sie im vierten Quartal 2025 starke 17 Prozent. Gleichzeitig sanken die operativen Barausgaben um 41 Prozent.

Zugpferd Schienenverkehr

Ein Blick auf die Segmententwicklung offenbart eine klare Verschiebung der Nachfrage. Besonders der Transportsektor abseits der Straße entwickelte sich zu einem massiven Wachstumstreiber für die Kanadier.

Die wichtigsten Kennzahlen zum Jahresabschluss 2025:
– Umsatz Schwerlastmobilität: 81,0 Millionen US-Dollar (+52 %)
– Umsatz Schienenverkehr: 25,5 Millionen US-Dollar (+862 %)
– Auftragsbestand gesamt: 119,3 Millionen US-Dollar
– Geplante Betriebsausgaben 2026: 65 bis 75 Millionen US-Dollar

Zusätzlich sicherte sich das Unternehmen mit einem 6,4-Megawatt-Auftrag von ECAP Marine und Samskip das bisher größte Projekt seiner Geschichte im maritimen Bereich.

Solides Fundament, aber bekannte Risiken

Mit Barreserven von 527,1 Millionen US-Dollar und einer schuldenfreien Bilanz verfügt Ballard Power über einen komfortablen Puffer für die weitere Expansion. Die jüngste operative Erholung spiegelt sich auch am Markt wider, wo das Papier auf Monatssicht um rund 17 Prozent zulegen konnte und am Freitag bei 2,18 Euro aus dem Handel ging. Ein RSI-Wert von gut 80 deutet aktuell allerdings auf eine kurzfristig überkaufte Situation hin.

Trotz der deutlichen Fortschritte bei der Kostenkontrolle wächst der Auftragsbestand derzeit nicht in dem Tempo, das für eine schnelle Gesamtprofitabilität nötig wäre. Zudem bleibt der Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur schleppend, während batterieelektrische Antriebe in vielen Anwendungsbereichen starke Konkurrenten bleiben.

Das Management erwartet für 2026 eine stärkere Umsatzgewichtung in der zweiten Jahreshälfte. Der nächste entscheidende operative Meilenstein ist der für Mitte 2026 geplante Start der Serienproduktion im Rahmen von „Project Forge“, durch den die Stückkosten der essenziellen Bipolarplatten durch Automatisierung weiter gesenkt werden sollen.