Barrick prüft London-Börsengang, Coeur liefert Rekordzahlen — fünf Minenwerte im Umbruch

Barrick Mining prüft Börsengang in London, Coeur meldet Rekordzahlen. Hecla ist erstmals schuldenfrei, Vizsla Silver kämpft mit Sicherheitsrisiken.

Barrick Mining Aktie
Kurz & knapp:
  • Barrick erwägt Londoner Börsennotierung
  • Coeur Mining mit Rekord-EBITDA
  • Hecla Mining erstmals schuldenfrei
  • Vizsla Silver von Gewalt betroffen

Ein möglicher Milliarden-Deal zwischen Barrick Mining und Endeavour Mining könnte die Machtverhältnisse im afrikanischen Goldbergbau neu ordnen. Während die Gerüchte um eine Londoner Börsennotierung die Runde machen, liefern Coeur Mining und Hecla Mining Quartalszahlen, die den Sektor in ein neues Licht rücken. Gleichzeitig wirft die Sicherheitslage in Mexiko einen langen Schatten auf Vizsla Silver — und indirekt auf die gesamte Branche.

Barrick Mining: Dreiteilung als strategische Neuerfindung

Barrick Mining erwägt offenbar eine Londoner Börsennotierung für sein Afrika-Geschäft. Eine mögliche All-Share-Transaktion mit der in London gelisteten Endeavour Mining steht im Raum. Die Gespräche befinden sich in einem frühen Stadium, ein Abschluss ist keineswegs sicher. Der kombinierte Börsenwert könnte allerdings rund 30 Milliarden Dollar erreichen.

Das Szenario sieht vor, dass Barrick als Holdinggesellschaft an der Börse Toronto notiert bleibt und Anteile an zwei separaten Einheiten hält: einem in New York gelisteten Unternehmen für die nordamerikanischen Minen in Nevada und der Dominikanischen Republik sowie einem afrikanisch fokussierten Vehikel in London. Der New Yorker Spin-off soll bis Ende 2026 abgeschlossen sein.

Die Aktie gab am Montag in New York leicht um 0,4 Prozent auf 42,37 Dollar nach — im Gleichklang mit dem schwächeren Goldpreis. UBS hat das Kursziel jüngst von 50 auf 54 Dollar angehoben und die Kaufempfehlung bestätigt. Der Umsatz stieg 2025 um gut 31 Prozent auf knapp 17 Milliarden Dollar, die Gewinne legten um 133 Prozent zu. Eine beeindruckende operative Basis für einen Konzern, der sich gerade selbst zerlegt.

Vizsla Silver: Panuco-Projekt unter dem Schatten der Gewalt

Kein Thema im Edelmetallsektor wiegt 2026 schwerer als die Ereignisse am Panuco-Projekt in Sinaloa. Am 23. Januar wurden zehn Mitarbeiter — Ingenieure, technisches Personal und Sicherheitskräfte — vom Minengelände entführt. Neun von ihnen wurden inzwischen tot aufgefunden. Ein Kollege wird weiterhin vermisst. Die Verantwortung wird „Los Chapitos“ zugeschrieben, einer Fraktion des Sinaloa-Kartells.

Die Aktie hat seit Bekanntwerden der Entführung mehr als 43 Prozent verloren. Analysten reagierten mit Abstufungen: National Bank Financial senkte das Rating auf Sector Perform und das Kursziel drastisch von 10,50 auf 6,40 kanadische Dollar. CIBC stufte ebenfalls auf Neutral ab, mit einem reduzierten Ziel von 7 kanadischen Dollar.

Trotz der Tragödie treibt Vizsla Silver die Projektentwicklung voran. Im Mai sicherte sich das Unternehmen eine Kreditlinie über 173 Millionen mexikanische Pesos bei einer staatlichen Finanzinstitution. Bereits im April wurden EPCM- und Minendesign-Verträge vergeben. Die Machbarkeitsstudie für Panuco projiziert eine jährliche Produktion von über 20 Millionen Unzen Silber in den ersten fünf Jahren bei einem Kapitalwert von 1,8 Milliarden Dollar und einer internen Rendite von 111 Prozent. Beeindruckende Zahlen auf dem Papier. Die Frage ist, ob sie sich unter den aktuellen Sicherheitsbedingungen realisieren lassen.

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First Majestic Silver: Solide Quartalszahlen, Jerritt Canyon im Visier

First Majestic Silver lieferte im ersten Quartal 2026 weitgehend planmäßige Ergebnisse. Die vier mexikanischen Untertageminen produzierten 3,5 Millionen Unzen Silber und gut 34.000 Unzen Gold. Die Silberproduktion entspricht rund 26 Prozent der Jahresziel-Mitte — ein Hinweis darauf, dass das Unternehmen auf Kurs liegt.

La Encantada stach heraus: Die Silberproduktion an diesem Standort kletterte um 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 829.081 Unzen, getrieben durch höhere Gehalte und bessere Minenerschließung.

Finanziell hat sich der Hebel hoher Edelmetallpreise voll entfaltet. Der Umsatz sprang um 95 Prozent auf 476,7 Millionen Dollar, wobei das Unternehmen Silber- und Goldbarren im Wert von 63,6 Millionen Dollar noch zurückhielt. Die Nettogewinne lagen bei 128,1 Millionen Dollar, die bereinigten Gewinne sogar bei 151,7 Millionen Dollar. Die Margenausweitung ist bemerkenswert — die Erlöse wuchsen deutlich schneller als die Kosten.

Strategisch richtet sich der Blick auf Jerritt Canyon: Der Neustartplan für die Mine in Nevada zielt auf eine Produktion ab der zweiten Jahreshälfte 2027. Bei einem aktuellen Kurs von 18,14 Euro notiert die Aktie rund 32 Prozent seit Jahresanfang im Plus. H.C. Wainwright hob das Kursziel auf 30 Dollar an und bestätigte die Kaufempfehlung. Am 10. Juni steht die Hauptversammlung an — ein Termin, der Aufschluss über die weitere Kapitalallokation geben dürfte.

Coeur Mining: Rekordzahlen und ein neues Kapitel

Coeur Mining hat im ersten Quartal 2026 Maßstäbe gesetzt. Die Kernkennzahlen sprechen für sich:

  • Umsatz: 856 Millionen Dollar
  • Bereinigtes EBITDA: 475 Millionen Dollar (Rekord)
  • Operativer Cashflow vor Working-Capital-Veränderungen: 445 Millionen Dollar (Rekord)
  • Nettogewinn aus fortgeführten Geschäften: 254 Millionen Dollar bzw. 0,36 Dollar je Aktie

Der Kassenbestand verelffachte sich im Jahresvergleich auf 843 Millionen Dollar. Diese Liquiditätsflut ermöglichte ein erweitertes Aktienrückkaufprogramm über 750 Millionen Dollar und die Einführung einer halbjährlichen Dividende. Getrieben wurden die Zahlen von realisierten Preisen von 4.383 Dollar je Unze Gold und 82,85 Dollar je Unze Silber.

Mit dem Abschluss der New-Gold-Übernahme am 20. März kamen die Minen New Afton und Rainy River hinzu. Für das Gesamtjahr 2026 projiziert das Management auf Basis der Budgetpreise mehr als 3 Milliarden Dollar EBITDA und 2 Milliarden Dollar freien Cashflow — und das mit nur gut neun Monaten Beitrag der neuen Minen.

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Ein kleiner Schönheitsfehler: Die Gewinnerwartungen der Analysten wurden um 20 Prozent verfehlt. Die Aktie fiel zunächst um 3,4 Prozent, erholte sich dann aber im nachbörslichen Handel um 2,4 Prozent. Bei aktuell 17,02 Euro liegt der Kurs rund 26 Prozent unter dem Jahreshoch. Cantor Fitzgerald stufte auf Hold ab mit einem Ziel von 19 Dollar, während Roth MKM bei Kaufen bleibt. Der Konsens liegt bei 24,56 Dollar.

Hecla Mining: 135 Jahre alt, erstmals schuldenfrei

Hecla Mining hat eine historische Zäsur erreicht. Nach dem Rückkauf der letzten ausstehenden Anleihen über 263 Millionen Dollar steht das Unternehmen zum ersten Mal in seiner 135-jährigen Geschichte ohne langfristige Schulden da. Zusätzlich steht eine nicht genutzte revolvierende Kreditlinie über 225 Millionen Dollar bereit.

Die Quartalszahlen untermauern diesen Wandel: Der Umsatz aus fortgeführten Geschäften verdoppelte sich auf 411 Millionen Dollar. Das bereinigte EBITDA erreichte mit 265 Millionen Dollar einen Rekordwert, ebenso der freie Cashflow von 144 Millionen Dollar. Alle drei operativen Minen wirtschafteten cashflow-positiv.

Die Silberproduktion lag bei 3,9 Millionen Unzen, die konsolidierten All-in-Sustaining-Costs bei 8,17 Dollar je Unze (ohne Keno Hill). Ermöglicht wurde die Entschuldung auch durch den Verkauf der Casa-Berardi-Mine am 25. März, der Hecla als reinen nordamerikanischen Silberproduzenten positioniert — mit einem 9,9-Prozent-Anteil an Orezone als Goldexposure im Hintergrund.

Trotz eines EPS-Fehlbetrags durch die Casa-Berardi-Abschreibung schoss die Aktie nach den Q1-Zahlen vorbörslich um 8,5 Prozent hoch. Bei 15,30 Euro notiert sie allerdings seit Jahresanfang fünf Prozent im Minus und gut 43 Prozent unter dem Jahreshoch. Canaccord-Analyst Dalton Baretto stufte auf Kaufen hoch, H.C. Wainwright setzt das Kursziel bei 26,75 Dollar. Mittelfristig peilt Hecla eine jährliche Silberproduktion von 20 Millionen Unzen an.

Kapitalallokation gegen Jurisdiktionsrisiko — die zwei Kräfte des Sektors

Die fünf Unternehmen beleuchten zwei gegenläufige Strömungen. Auf der einen Seite steht eine beispiellose Kapitalstärke: Barricks kühne Dreiteilung, Coeurs Rekord-EBITDA mit neuer Dividende, Heclas erstmalige Schuldenfreiheit. Hohe Gold- und Silberpreise haben das finanzielle Profil des gesamten Sektors verändert.

Auf der anderen Seite steht das Jurisdiktionsrisiko. Die Tragödie bei Vizsla Silver in Sinaloa ist der extremste Ausdruck, aber die Diskussion über Betriebsrisiken in Mexiko erfasst die gesamte Branche. First Majestic, ausschließlich in Mexiko operierend, blieb bisher von vergleichbaren Vorfällen verschont — die Frage der Sicherheit ist jedoch omnipräsent.

Zwischen Rekordpreisen und ungelösten Risiken

Die kommenden Wochen bringen konkrete Prüfsteine. Für Barrick wird entscheidend, ob die Details eines möglichen Afrika-Deals die Bewertung stützen oder belasten. Bei Vizsla Silver hängt alles am Fortschritt der EPCM-Verträge und möglichen neuen Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden. Coeur muss beweisen, dass die ambitionierte Prognose von über 3 Milliarden Dollar EBITDA bei schwankenden Metallpreisen haltbar ist. Hecla richtet den Blick auf den mittelfristigen Produktionsausbau, First Majestic auf die Hauptversammlung am 10. Juni und den Zeitplan für Jerritt Canyon. Die zentrale Frage für den gesamten Sektor bleibt: Gelingt es den Minenbetreibern, die Rekordpreise in dauerhafte Aktionärsrenditen umzuwandeln — trotz geopolitischer Unwägbarkeiten?

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