Die informelle Fusionsidee, die BASF dem MDAX-Konzern Evonik unterbreitet hat, spaltet die Analystenzunft. Während die einen den Deal für strategisch fragwürdig halten, sehen andere durchaus Substanz in der Rechnung. Die Aktie selbst reagiert bislang verhalten — von Euphorie keine Spur.

Evonik hatte den Vorstoß bestätigt: BASF soll informell die Idee einer Fusion herangetragen haben. Für Evonik-Aktionäre war das ein Kurstreiber, die Aktie sprang deutlich nach oben und drehte damit auch charttechnisch in einen Aufwärtstrend. Bei BASF selbst fiel die Reaktion umgekehrt aus — der Kurs gab nach, ein für Übernahmeinteressenten nicht untypisches Muster, wenn der Markt Integrationsrisiken und mögliche Kosten der Fusion einpreist.

JPMorgan bleibt skeptisch, Bernstein sieht Substanz

JPMorgan-Analyst Chetan Udeshi hat seine „Underweight“-Einstufung mit einem Kursziel von 40 Euro bestätigt und dabei die strategische Logik eines möglichen Deals durchleuchtet. Seine Einschätzung: Eine Konsolidierung in der Chemiebranche mache angesichts des schwierigen Branchenumfelds grundsätzlich Sinn — über Skaleneffekte, schärferen Portfoliofokus und mehr Preismacht.

BASF und Evonik zählten für ihn aber nicht zu den naheliegendsten Kombinationen. Zwar überschneiden sich beide Konzerne bei rund einem Drittel des Umsatzes, beim operativen Ergebnis fällt dieser Anteil jedoch spürbar geringer aus. Udeshi geht davon aus, dass BASF an anderer Stelle mit geringeren Ausführungsrisiken höhere Erträge erzielen könnte.

Bernstein Research kommt zu einem versöhnlicheren Urteil. Analyst James Hooper senkte das Kursziel zwar von 63 auf 61 Euro, beließ die Einstufung aber bei „Outperform“. Seine Wochenend-Kalkulation zu einer möglichen Kombination mit Evonik kommt zu dem Schluss: Die reinen Zahlen wirken attraktiv, die Investmentstory würde durch eine Fusion allerdings komplexer.

Im XETRA-Handel bewegte sich die BASF-Aktie zuletzt nur leicht um die Marke von 50 Euro — die Kursziele der beiden Häuser liegen mit 40 und 61 Euro weit auseinander und spiegeln damit exakt diese Uneinigkeit über den strategischen Wert der Fusionsidee.

Ob aus der informellen Sondierung ein konkretes Angebot wird, ist offen. Solange keine belastbaren Details zu Struktur oder Bewertung eines möglichen Zusammenschlusses vorliegen, dürfte die Aktie zwischen den gegensätzlichen Analystenlagern hin- und herpendeln.