BASF übertrifft im zweiten Quartal 2026 alle Erwartungen und hebt sogar die Jahresprognose an. Trotzdem verliert die Aktie am Mittwoch an Wert. Der Grund liegt nicht in den Zahlen selbst, sondern in dem, was BASF nicht ändert: die Cashflow-Prognose.
Am Donnerstag notiert die Aktie bei 48,35 Euro und erholt sich leicht von den Verlusten des Vortags. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 49,71 Euro fehlen noch knapp drei Prozent.
Starke Zahlen, aber ein Sondereffekt
Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 16 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt nur 16,5 Milliarden Euro erwartet. Höhere Preise und größere Mengen trieben das Wachstum, Währungseffekte bremsten leicht.
Beim EBITDA vor Sondereinflüssen lieferte BASF 2,4 Milliarden Euro ab. Das liegt deutlich über dem Konsens von 2,1 Milliarden Euro und weit über den 1,6 Milliarden Euro aus dem Vorjahresquartal. Noch spektakulärer der Sprung beim Nettoergebnis: 4,1 Milliarden Euro, verglichen mit nur 79 Millionen Euro vor einem Jahr.
Dieser Sprung hat allerdings einen einfachen Grund. BASF hat ihr Coatings-Geschäft an den Finanzinvestor Carlyle verkauft. Der Deal schloss am 30. Juni 2026 und brachte einen Veräußerungsgewinn von 3,9 Milliarden Euro vor Steuern. Ohne diesen Einmaleffekt wäre das operative Bild zwar solide, aber deutlich weniger beeindruckend.
Warum die Aktie trotzdem fällt
BASF hob die EBITDA-Prognose für das Gesamtjahr an. Das Unternehmen erwartet nun 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro, vorher waren es 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro. Der Analystenkonsens von 7,3 Milliarden Euro liegt damit gut in der neuen Spanne.
Bei der Free-Cashflow-Prognose bewegt sich hingegen nichts. Sie bleibt bei 1,5 bis 2,3 Milliarden Euro für das Gesamtjahr. Im zweiten Quartal rutschte der Free Cashflow sogar ins Minus: minus 0,2 Milliarden Euro, nach plus 0,5 Milliarden Euro im Vorjahr.
Der Grund dafür sind gestiegene Rohstoffpreise. Sie binden mehr Kapital im operativen Geschäft. Einige Analysten reagierten enttäuscht auf diese unveränderte Guidance. Für sie ein Signal: Höhere Rohstoffkosten fressen die Profitabilitätsgewinne teilweise wieder auf.
Geopolitik als Unsicherheitsfaktor
BASF nennt in ihrem Ausblick explizit die Straße von Hormus als Risikofaktor. Die Entwicklung im zweiten Halbjahr hänge maßgeblich vom Ausgang der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über diese Route ab. Eine längere Schließung würde die weltweite Wirtschaftsaktivität erheblich belasten.
Das Unternehmen hat seine Annahmen bereits angepasst. Der erwartete Brent-Ölpreis für 2026 steigt von 65 auf 80 US-Dollar pro Barrel. Gleichzeitig rechnet BASF mit geringerem Wachstum bei Bruttoinlandsprodukt, Industrieproduktion und Chemieproduktion.
Parallel zur Zahlenveröffentlichung eröffnete BASF am 16. Juli 2026 eine neue Anlage in Düsseldorf. Dort produziert der Konzern künftig Spezial-Emollientien für Hautpflege- und Sonnenschutzprodukte – ein kleiner, aber strategischer Baustein im Consumer-Care-Geschäft.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich die geopolitische Lage rund um die Straße von Hormus entspannt. Bleibt sie angespannt, dürfte der von BASF angehobene Ölpreis von 80 US-Dollar pro Barrel eher die Untergrenze als die Obergrenze der Risiken markieren.
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