Ein Nettogewinn von 4,1 Milliarden Euro nach nur 79 Millionen Euro im Vorjahresquartal klingt nach einer Sensation. Der Haken: Fast die gesamte Differenz stammt aus dem Verkauf des Coatings-Geschäfts an den Finanzinvestor Carlyle. Anleger honorierten die Zahlen trotzdem — die Aktie legte am Mittwoch um rund 4 Prozent auf 50,85 Euro zu.
Operatives Geschäft zieht an, Sondereffekt verzerrt das Bild
Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 16 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro. Das EBITDA verbesserte sich von 1,3 auf 2,0 Milliarden Euro, bereinigt um Sondereinflüsse waren es 2,4 Milliarden Euro. Der eigentliche Knalleffekt beim Nettoergebnis geht auf einen Veräußerungsgewinn von 3,9 Milliarden Euro vor Steuern aus dem Carlyle-Deal zurück — auf Halbjahressicht stieg der den Aktionären zurechenbare Gewinn dennoch deutlich auf 5,07 Milliarden Euro nach 887 Millionen Euro im Vorjahr.
Operativ half BASF vor allem eine bessere Auslastung der Anlagen in Ludwigshafen. Kunden füllten wegen Lieferunterbrechungen im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt ihre Lager auf — ein Vorzieheffekt, den auch die DZ Bank als Treiber sieht. Analyst Peter Spengler rechnet damit, dass dieser Trend im zweiten Halbjahr wieder nachlässt, wertet Rückkaufprogramm und Schuldenabbau aber als klar positiv für den Investment Case. Für 2026 hob BASF die Prognose an: Das bereinigte EBITDA soll nun zwischen 6,9 und 7,7 Milliarden Euro liegen, nach zuvor 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro.
Rückkäufe, Schuldenabbau und ein schrumpfender Stammsitz
Ab August startet ein neues Aktienrückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu einer Milliarde Euro, das bis Ende April 2027 laufen soll. Es ist Teil des im September 2024 angekündigten Gesamtpakets über vier Milliarden Euro, von dem BASF bereits Aktien im Wert von 1,5 Milliarden Euro zurückgekauft hat. Die zurückgekauften Papiere sollen eingezogen werden, das Grundkapital sinkt entsprechend. Insgesamt will der Konzern von 2025 bis 2028 zwölf Milliarden Euro über Dividenden und Rückkäufe an Aktionäre ausschütten.
Parallel dazu treibt BASF den Schuldenabbau voran: Im dritten Quartal sollen Anleihen und Darlehen über 1,6 Milliarden Euro vorzeitig zurückgezahlt werden. Zusätzliche Mittel kommen aus dem Verkauf der Beteiligung an Harbour Energy, die seit März von mehr als 41 auf unter 25 Prozent reduziert wurde. Mehr als 800 Millionen Euro erlöste BASF dabei, die verbleibende Position hat nach Angaben von Vorstandschef Markus Kamieth noch einen Wert von rund einer Milliarde Euro.
Der Umbau zeigt sich auch am Stammsitz. In Ludwigshafen sank die Zahl der Vollzeitstellen im Mai erstmals seit 1954 unter 30.000. Weltweit ging die Beschäftigtenzahl bis Ende Juni im Jahresvergleich um 14,4 Prozent auf rund 94.900 zurück. „Wir haben das Tempo noch einmal erhöht, um unsere Organisation schlanker und effizienter aufzustellen“, kommentierte Kamieth den Kurs.
Die Aktie hat sich 2026 mit einem Plus von gut 14 Prozent deutlich besser entwickelt als der DAX mit rund 3,6 Prozent — allerdings scheiterte sie zuletzt zweimal an der Marke von 55 Euro. Für die kommenden Monate rückt neben dem weiteren Stellenabbau vor allem der zweite Verbundstandort im chinesischen Zhanjiang in den Blick, dessen Hochlauf zusätzliche Kapazitäten bringen soll.
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