Der heutige Kurssprung von BASF täuscht. Die Aktie klettert zwar um 2,68 Prozent auf 49,10 Euro. Wer den Chart kennt, erkennt jedoch die Realität. Der Chemiekonzern steckt in einer tiefgreifenden Übergangsphase. Anleger brauchen jetzt vor allem Geduld.
Der harte Weg zur Profitabilität
Der Konzern trennt sich von alten Strukturen. Das neue Programm „CoreShift“ soll die zahlungswirksamen Fixkosten bis 2029 um bis zu 20 Prozent senken. Der Einschnitt betrifft Geschäftsfelder mit rund 40 Milliarden Euro Umsatz. Das ist strukturell der richtige Weg. Ob das Tempo reicht, steht auf einem anderen Blatt.
Ein zentrales Stützungskorsett fällt bald weg. Das laufende Aktienrückkaufprogramm endet Ende Juni. Bisher hat BASF rund 27,8 Millionen eigene Papiere erworben. Danach muss das operative Geschäft den Kurs allein tragen.
Das technische Bild bleibt angeschlagen. Der Kurs notiert zweistellig unter dem 52-Wochen-Hoch von 55,05 Euro. Auch der gleitende Durchschnitt bei 52,21 Euro ist aktuell außer Reichweite.
Panik sieht anders aus, aber Euphorie fehlt komplett. Der RSI-Indikator bestätigt mit einem Wert von 39,6 die anhaltende Schwäche der Aktie.
Operative Lichtblicke und China-Sorgen
Konzernchef Markus Kamieth liefert immerhin operative Lichtblicke. Ein starker Mai folgte auf einen robusten April. Das Preisniveau vieler Chemieprodukte bleibt stabil. Kamieth erwartet, die Analystenprognosen im laufenden Quartal zu erfüllen. Die Nachfrage-Spitze aus den Unsicherheiten des Iran-Kriegs flacht allerdings wieder ab. Das ist keine Warnung. Ein echter Rückenwind sieht aber anders aus.
Besonders viel hängt am neuen Riesenwerk im chinesischen Zhanjiang. BASF eröffnete den Standort im März 2026 für 8,7 Milliarden Euro. Das Projekt blieb deutlich unter dem ursprünglichen Budget. Eine starke operative Leistung.
Kurzfristig liefert die Anlage jedoch kaum Entlastung für die Gewinne. Globale Überkapazitäten belasten die gesamte Branche. Kamieth dämpft die Ertragserwartungen für die neue Petrochemieanlage spürbar. BASF verabschiedet sich damit vom Traum der schieren Größe. Der CEO akzeptiert, dass Konkurrenten beim Volumen vorbeiziehen. Das klare Ziel lautet nun Profitabilität.
Mein Fazit: Solides Fundament, kein Sprint
Wer auf BASF setzt, kauft eine Wette auf die Zukunft. Für 2026 plant das Management ein operatives Ergebnis von bis zu sieben Milliarden Euro. Der freie Cashflow soll maximal 2,3 Milliarden Euro erreichen. Das ist ein solides Fundament. Ein echter Wachstumstreiber fehlt jedoch.
Zwischen 2025 und 2028 fließen mindestens 12 Milliarden Euro an die Aktionäre zurück. Das Ausschüttungsversprechen ist real. Der heutige Kursanstieg bleibt für mich dennoch eine rein technische Erholung. Wer die Aktie hält, muss den Umbau auf Sicht von Jahren akzeptieren. Kurz gesagt: ein Marathon.
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