BASF steht vor einer harten Bewährungsprobe. Das milliardenschwere Aktienrückkaufprogramm ist gestern offiziell ausgelaufen. Nun muss der Chemiekonzern ohne diesen internen Käufer am Markt bestehen.
Ausgangslage: Technischer Trendbruch belastet
Der Aktienkurs rutschte zuletzt unter wichtige technische Marken. Mit einem Schlusskurs von 46,70 Euro handelt das Papier unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Dieser langfristige Trendindikator verläuft aktuell bei 47,28 Euro.
Seit dem April-Hoch bei 55,05 Euro verlor die Aktie über 15 Prozent an Wert. Der Stopp der eigenen Käufe zum 30. Juni verschärft die psychologische Lage. Die US-Investmentbank Jefferies senkte parallel dazu ihr Kursziel auf 44,00 Euro.
Damit fehlt zum Start in das dritte Quartal ein wesentlicher Stützpfeiler. Der Markt richtet den Blick nun auf die Belastbarkeit der aktuellen Kurszonen. Ein personeller Wechsel an der Spitze der Coatings-Sparte wird heute wirksam.
Die entscheidende Frage: Greift das Effizienzprogramm rechtzeitig?
Kann das Restrukturierungsprogramm „CoreShift“ die schwache globale Chemiekonjunktur abfangen? Vorstandschef Markus Kamieth muss die Kosten schneller senken als die Preise am Markt fallen. Die globale Chemieproduktion wächst laut Prognose nur noch um 2,4 Prozent.
Im Vorjahr lag dieses Wachstum noch bei 3,6 Prozent. BASF peilt für 2026 ein EBITDA vor Sondereinflüssen zwischen 6,2 und 7,0 Milliarden Euro an. Ob diese Spanne hält, hängt massiv von der Nachfrage in China und Europa ab.
Bullisches Szenario: Hoffnungsträger China und Dividende
Für eine Erholung spricht die überverkaufte Lage der Aktie. Der Relative-Stärke-Index (RSI) ist auf 30,2 Punkte gefallen. Historisch betrachtet folgten auf solche Extremwerte oft technische Gegenbewegungen.
Hoffnung macht der neue Verbundstandort im chinesischen Zhanjiang. Das Werk fährt seine Kapazitäten sukzessive hoch. BASF profitiert dort von einer effizienten Kostenstruktur direkt im wichtigsten Wachstumsmarkt.
Langfristige Investoren setzen zudem auf die Dividendenkontinuität. Das Unternehmen plant voraussichtlich eine Ausschüttung von 2,25 Euro je Aktie. Diese Rendite könnte für das Papier einen psychologischen Boden bilden.
Bärisches Szenario: Risiken am Standort Ludwigshafen
Der charttechnische Abwärtstrend wiegt schwer. Die Aktie handelt deutlich unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Der Abstand zu diesem kurzfristigen Trend beträgt aktuell über acht Prozent.
Sorgen bereitet vor allem das Stammwerk in Ludwigshafen. Dort belasten hohe Fixkosten die Bilanz bei einer unzureichenden Auslastung. BASF will zwar jährlich zwei Milliarden Euro in den Standort investieren.
Bis Ende 2028 verzichtet der Konzern auf betriebsbedingte Kündigungen. Dennoch bleiben die hohen Energiekosten ein dauerhafter Wettbewerbsnachteil. In Europa rechnet BASF mit einem Produktionsrückgang von 0,6 Prozent.
Ausblick: Q2-Zahlen als Wegweiser
Ende Juli 2026 veröffentlicht BASF die detaillierten Ergebnisse für das zweite Quartal. Diese Zahlen werden zeigen, wie stark die Margen in Europa tatsächlich leiden. Bis dahin dürfte die Volatilität hoch bleiben.
Der Markt beobachtet nun das Tief bei 41,43 Euro. Sollte diese Marke fallen, drohen weitere Verkäufe. Erst ein Anstieg über 47,28 Euro würde das technische Bild nachhaltig aufhellen.
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