BASF hat Evonik ein Übernahmeangebot unterbreitet und eine Absage erhalten. Parallel bereitet der Konzern den Börsengang seiner Agrarsparte vor. Andreas Sommer schaut darauf, was diese gegenläufigen Vorhaben über die Mittelverwendung in den nächsten Quartalen verraten.

BASF (DE000BASF111) — Schlusskurse 01.04.2026 bis 28.09.2026, Angaben in EUR. Stand: 28.09.2026.
Trading-Treff Redaktion: Ihr faires Niveau entspricht praktisch dem Analysten-Konsens. Warum sollte Ihre Einschätzung der BASF-Aktie mehr Gewicht haben als dessen Urteil?
Andreas Sommer: Weil dieselbe Bewertung sehr unterschiedliche Risiken verdecken kann. BASF bereitet den Agrar-Börsengang vor und hat Evonik zugleich eine Übernahme angeboten. Mehr Größe ist noch keine bessere Mittelverwendung. Bei einer angebotenen Prämie von knapp 29 Prozent will ich eine überzeugende Rechnung sehen, bevor ich dem Management weitere Zukäufe zugutehalte.
Trading-Treff Redaktion: Sie sagen: „Mehr Größe ist noch keine bessere Mittelverwendung.“ Der geplante Agrar-Börsengang verkleinert doch gerade den Konzern. Warum sprechen Sie dem Management Disziplin ab?
Andreas Sommer: Die Trennung gefällt mir. Nur darf der gewonnene Spielraum nicht gleich in einen teuren Zukauf fließen. Evoniks Absage nimmt diese Sorge noch nicht vom Tisch.
Trading-Treff Redaktion: Evonik hat abgesagt. Unter welchen Bedingungen würden Sie Ihre Sicht auf die Mittelverwendung revidieren?
Andreas Sommer: Die bestätigte Spanne von 1,5 bis 2,3 Milliarden Euro freiem Mittelzufluss für 2026 ist mein Maßstab. Verfolgt BASF einen ähnlich teuren Zukauf, während Zhanjiang wegen chinesischer Überkapazitäten schwach verdient, kippt meine Rechnung.
Umgekehrt wäre ich zu skeptisch, wenn der Agrar-Börsengang vorankommt und das Management nach Evoniks Absage bei neuen Angeboten Maß hält. Erste Hinweise liefern die nächsten konkreten Schritte beim Börsengang.
Trading-Treff Redaktion: Hohe europäische Energiekosten belasten den Verbund. Welche Substanz rechtfertigt da Ihr faires Niveau?
Andreas Sommer: Der Verbund spart BASF nach eigenen Angaben allein in Ludwigshafen jährlich rund 300 Millionen Euro an Transportkosten. Das ist ein handfester Vorteil; die Energiekosten zehren allerdings daran. Mein faires Niveau liegt bei rund 60 Euro. Ich unterstelle dafür, dass BASF den Wert des Geschäfts nicht durch einen kostspieligen Zukauf wieder aufs Spiel setzt.
Trading-Treff Redaktion: Die gemeldeten Insiderkäufe sprechen doch für Vertrauen in BASF. Übersehen Sie bei Ihrer Kritik am Management dessen eigenes Signal?
Andreas Sommer: Den Käufen würde ich keinen aktuellen Vertrauensbeweis entnehmen: Ihr Zeitpunkt ist in den vorliegenden Angaben nicht verlässlich geklärt. Wer darin eine Schwäche meiner Einschätzung sieht, dreht die Beweislast um. Das Management kann Vertrauen durch seine Entscheidungen verdienen. In den nächsten zwei bis vier Quartalen achte ich auf den Fortgang des Agrar-Börsengangs und auf neue Übernahmeangebote.
Trading-Treff Redaktion: Die Spanne von 1,5 bis 2,3 Milliarden Euro freiem Mittelzufluss für 2026 ist Ihr Maßstab. Folgt daraus für BASF derzeit Zuversicht oder Skepsis?
Andreas Sommer: Beim Geschäft sehe ich Substanz. Bei der Mittelverwendung überwiegt für mich derzeit die Skepsis: Nach Evoniks Absage hält das Management an seiner Konsolidierungsstrategie fest, während der Agrar-Börsengang seinen Wert erst noch belegen muss. Der nächste Richtungswechsel hängt an Entscheidungen, nicht an Absichtserklärungen.
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