BASF steht im Spätsommer vor einer Gemengelage aus operativen Herausforderungen und strategischen Weichenstellungen. Während der Aktienrückkauf und die Vorbereitung des Agrarsparten-Börsengangs bereits bekannt sind, rücken nun logistische Engpässe und eine vorsichtigere Bewertung durch Morningstar in den Fokus.
Niedrigwasser am Rhein belastet Lieferketten
Niedrige Pegelstände am Rhein schränken die Logistikkette und Rohstoffversorgung von BASF ein. Das Unternehmen nutzt verstärkt das Umschlagterminal für kombinierten Verkehr in Ludwigshafen, um Lieferausfälle über Schiene und Straße abzufangen. Der Rhein ist für den Ludwigshafener Standort seit jeher eine zentrale Transportader – Einschränkungen treffen damit unmittelbar die Versorgung mit Rohstoffen und den Abtransport von Produkten.
Parallel dazu erhöht BASF die Preise für alle Qualitäten von Neopentylglykol unter dem Markennamen NEOL in den USA und Kanada. Die Anhebung greift zum 1. September und wird mit gestiegenen Kosten begründet. Solche Preisschritte zeigen, dass der Konzern versucht, Kostendruck an Kunden weiterzugeben, auch wenn die Nachfrage in Teilen der Chemiebranche verhalten bleibt.
Morningstar korrigiert Fair-Value-Schätzung nach unten
Am Donnerstag senkte Morningstar seine Fair-Value-Schätzung für BASF von 61,00 Euro auf 55,00 Euro. Zugleich stuften die Analysten das Capital Allocation Rating auf „Standard“ hoch. Begründet wird die Anpassung mit strukturellen Überkapazitäten in China und einer nur langsamen Erholung des Marktzyklus.
Diese Einschätzung datiert vom Donnerstag und markiert damit die jüngste verfügbare Bewertung des Analysehauses – eine deutliche Reduktion des fairen Werts um sechs Euro, die die Skepsis gegenüber einer schnellen zyklischen Erholung widerspiegelt.
Die Aktie schloss am Freitag bei 52,28 Euro, ein Plus von 1,8 Prozent gegenüber dem Vortag. Damit liegt der Kurs rund 5,0 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 55,05 Euro, das im April erreicht wurde, aber deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 48,68 Euro.
Die Bewertung von Morningstar bei 55,00 Euro liegt damit nur noch knapp über dem aktuellen Kursniveau – der Bewertungsspielraum nach oben hat sich damit verengt.
Innovation und Diversifikation als Gegengewicht
Neben den kurzfristigen Belastungen treibt BASF strategische Projekte voran. Im indischen Mumbai eröffnete der Konzern ein neues Performance-Labor für Superabsorber und Windeltests am Innovation Campus Asia Pacific. Ziel ist es, Forschungs- und Servicekapazitäten im Wachstumsmarkt Indien zu stärken – ein Signal dafür, dass BASF trotz struktureller Probleme in etablierten Märkten wie China auf Wachstum in anderen Regionen setzt.
Im Agrarbereich brachte BASF Agricultural Solutions das Konnektivitätsgerät „xarvio CONNECT 2.0“ auf den Markt. Es vernetzt Landmaschinen digital mit dem xarvio FIELD MANAGER und verfügt über eine integrierte SIM-Karte für Gebiete mit geringer Mobilfunkabdeckung. Solche Entwicklungen unterstreichen den Anspruch der Agrarsparte, sich als eigenständiger, technologiegetriebener Geschäftsbereich zu positionieren.
Zudem kündigte die BASF Coatings GmbH eine strategische Zusammenarbeit mit Surventis an, einem Unternehmen, an dem BASF nach dem Teilverkauf an Carlyle eine 40-prozentige Minderheitsbeteiligung hält. Gemeinsam sollen mikrostrukturierte optische Funktionsfolien entwickelt werden.
Ausblick auf das dritte Quartal
Anleger richten den Blick nun auf den 28. Oktober, wenn BASF die Finanzergebnisse für das dritte Quartal 2026 veröffentlicht. Nach der im Juli angehobenen EBITDA-Guidance für das Gesamtjahr, die eine Spanne von 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro vorsieht, dürfte sich zeigen, ob die operative Stärke des zweiten Quartals anhält oder ob die von Morningstar beschriebenen strukturellen Belastungen aus China stärker durchschlagen.
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