BASF hat im zweiten Quartal 2026 kräftig von der Veräußerung seiner Coatings-Sparte profitiert und blickt deutlich optimistischer auf das Gesamtjahr. Der Verkauf des Lackgeschäfts an Surventis, an dem der Ludwigshafener Konzern künftig noch mit 40 Prozent beteiligt bleibt, spülte 5,8 Milliarden Euro in die Kasse und wurde zum 30. Juni abgeschlossen. Nach Steuern verbuchte BASF daraus einen Veräußerungsgewinn von 3,5 Milliarden Euro, der Netto-Cashflow aus der Transaktion belief sich auf 5,6 Milliarden Euro.

Operatives Geschäft zieht spürbar an

Auch abseits des Verkaufserlöses lief das Geschäft besser als im Vorjahr: Das EBITDA vor Sondereinflüssen kletterte im zweiten Quartal auf 2,4 Milliarden Euro, ein Plus von 53,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das erste Halbjahr insgesamt weist BASF ein Nettoeinkommen von 5,07 Milliarden Euro aus. Angesichts dieser Entwicklung erhöhte der Konzern seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr: Statt der bisher angepeilten 6,2 bis 7,0 Milliarden Euro rechnet das Management nun mit einem EBITDA vor Sondereinflüssen zwischen 6,9 und 7,7 Milliarden Euro. Die Anhebung signalisiert, dass sich der Konzern nach Jahren des Umbaus operativ stabilisiert und die Portfolio-Bereinigung durch den Coatings-Verkauf zusätzlichen finanziellen Spielraum schafft.

Der Aktienkurs reagierte darauf verhalten positiv: Am Montag schloss das Papier bei 51,00 Euro, ein Plus von 0,91 Prozent. Seit Jahresbeginn steht damit ein Kursgewinn von 14,79 Prozent zu Buche, zum 52-Wochen-Hoch von 55,05 Euro aus dem April fehlen der Aktie derzeit noch 7,36 Prozent.

Sparkurs erreicht selbst die Werksräder

Parallel zur Portfoliobereinigung setzt BASF seinen Sparkurs am Stammsitz in Ludwigshafen konsequent fort – bis in vermeintliche Nebensächlichkeiten hinein. Der Bestand an Werksrädern, mit denen Mitarbeiter das rund zehn Quadratkilometer große Gelände mit seinen rund 2.000 Gebäuden durchqueren, ist von 13.000 auf 11.000 Fahrräder gesunken. Neue Räder werden nicht mehr angeschafft, lediglich die vorhandene Flotte wird instandgehalten. Das Detail fügt sich in ein größeres Bild: Die Mitarbeiterzahl am Standort liegt inzwischen unter 30.000 und damit auf dem niedrigsten Stand seit den 1950er-Jahren. Für Anleger ist das ein Signal, dass BASF Kostendisziplin nicht nur auf Konzernebene, sondern bis in operative Details verankert hat.

Niedrigwasser am Rhein als Kostenrisiko

Ein Risikofaktor, der die Ergebnisse künftiger Quartale belasten könnte, rückte am Montag in den Fokus der Öffentlichkeit: Niedrigwasser am Rhein. Der Wirtschaftsexperte Simon Gerards Iglesias vom Institut der deutschen Wirtschaft bezeichnete sinkende Pegelstände in einem Interview mit den tagesthemen als handfesten Kostentreiber für die Industrie. Rund 80 Prozent der Binnenschifffahrt in Deutschland laufen über den Rhein, echte Alternativen fehlen weitgehend. Müsste etwa Treibstoff komplett per Lkw statt per Schiff transportiert werden, wären dafür rund 3.000 Tanklaster täglich nötig. Für einen Konzern wie BASF, dessen Ludwigshafener Standort direkt am Fluss liegt und in hohem Maße auf den Wasserweg für Rohstoff- und Produktlogistik angewiesen ist, sind niedrige Pegelstände ein wiederkehrendes operatives Risiko, das die Kostenseite belasten kann, unabhängig von der grundsätzlichen Geschäftsentwicklung.

Ausblick für Anleger

Die Kombination aus Portfolio-Bereinigung, striktem Kostenmanagement und angehobener Gewinnprognose zeichnet für BASF ein Bild der Konsolidierung nach schwierigen Jahren. Der Coatings-Verkauf liefert frisches Kapital und verbessert die Bilanz, während der interne Sparkurs zeigt, wie ernst der Konzern seine Effizienzziele nimmt. Gleichzeitig bleibt die Abhängigkeit von der Rheinschifffahrt eine strukturelle Schwachstelle, die in trockenen Sommermonaten immer wieder zum Belastungsfaktor werden kann. Für Investoren dürfte entscheidend sein, ob sich die operative Verbesserung aus dem zweiten Quartal in den kommenden Berichtsperioden fortsetzt.